Benndorf & Hildebrand GmbH, Berlin
Im Wintersemester 2025/26 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt 2,87 Millionen Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Das entspricht einem leichten Anstieg von 0,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Demgegenüber sieht es im Handwerk vergleichsweise bescheiden aus. Hier waren im Jahr 2025 nach Angaben des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) 346.388 Auszubildende beschäftigt; was einem Zuwachs von immerhin 1,3 % gegenüber dem Vorjahr 2024 entspricht. Zudem wurden im letzten Jahr 103.638 Neuverträge abgeschlossen (nach 101.846 in 2024). Um dem Fachkräftemangel im Handwerk wirkungsvoll zu begegnen, reicht diese Zunahme jedoch bei weitem nicht aus. Der so genannte Bildungsirrtum manifestiert sich damit zusehends. Immerhin gibt es etwa 8-mal so viel Studierende wie Auszubildende im deutschen Handwerk.
Durchaus vielversprechend stellt sich in diesem Zusammenhang die Lage in der handwerklichen Nachwuchsfindung hinsichtlich der Kältetechnik dar. Insgesamt 4.723 Ausbildende streben seit dem Jahr 2025 den Abschluss als Mechatroniker/in der Kälte- und Klimatechnik an. Nach insgesamt 4.561 Azubis in 2024 sind das etwa 3,6 % mehr als im Vorjahr. Das ist im Trend zwar positiv, aber bei weitem nicht ausreichend, um dem demografisch bedingten Verlust an Fachkräften in den kommenden Jahren wirkungsvoll zu begegnen. Es ist auch noch reichlich „Luft nach oben“, auch wenn die Kollegen aus dem berufsverwandten SHK-Handwerk im vergleichbaren Zeitraum die Anzahl ihrer Auszubildenden (Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik) nur um 0,8 % auf 40.770 erhöhen konnten. Das es besser gehen kann, zeigt sich beispielsweise im Schornsteinfegerhandwerk. Der „Schwarze Zunft“ ist es gelungen die Anzahl ihrer Lehrlinge in 2025 um 7,4 % zu steigern. Auch Dachdecker (+ 4 %) stehen aktuell wesentlich besser da als das kältetechnische Fachhandwerk.
Zu wenig Frauenpower
Vor diesem Hintergrund ist es kaum nachvollziehbar, dass sich Arbeitgeber in der Kältetechnik mit der Rekrutierung von weiblichen Auszubildenden so schwertun. Nur 129 der insgesamt 4.723 Ausbildungsverhältnisse wurden bis Ende 2025 mit jungen Frauen besetzt. Ein Anteil von gerade mal 2,7 Prozent. Nochmal zum Vergleich: nicht nur das Schornsteinfeger-Handwerk kann mit etwa 17 Prozent (361 von 2.101 Azubis) einen wesentlich höheren Frauenanteil in der Berufsausbildung aufweisen; auch Dachdecker (4,7 %) und Zimmerer (6,9 %) stehen hier vergleichsweise gut da.
Frauen sind in technischen Berufen keine Ausnahme mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wer den Fachkräftebedarf in der heutigen Zeit decken will, muss Geschlechterklischees in der Berufswahl endlich hinter sich lassen. Hinzu kommt die Tatsache, dass angesichts der technischen Entwicklungen in den Kälte- und Klimagewerken zukünftig mehr Kopfarbeit als Muskelkraft gefragt sein wird. Digitale Steuerungs-Technologie und zeitgemäße Klimakonzepte wollen schließlich verstanden, bedient, gemessen sowie erläutert werden. Moderne Hebehilfen und Exoskelette machen es zudem möglich, auch schwere Gerätschaften rückenschonend zu bewegen. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass der Organisationsgrad im Installations-Betrieb zukünftig eher steigen wird. Frauen, die in diesem Zusammenhang praktischer Erfahrungen von der Baustelle mitbringen sind dahingehend besonders wertvoll.
Umdenken ist angesagt
Unabhängig vom angestrebten Schulabschluss müssen junge Menschen gleichwertig über akademische und berufliche Bildung informiert werden, damit die Berufsorientierung den Interessen und Talenten wirklich gerecht wird. Nur wenn für Jugendliche greifbar wird, dass sie ihre Karriere auf dem beruflichen Bildungspfad genauso selbstbestimmt, frei und individuell gestalten können wie mit einem Studium, werden sie sich auch für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden. Diese Gleichwertigkeit muss für junge Menschen aber auch nach der Entscheidung für eine Ausbildung spürbar bleiben: Genauso wie Studierende brauchen auch Auszubildende bezahlbare Wohnraumangebote. Wichtige Programme wie „Junges Wohnen“ müssen daher die Ausbildungsförderung noch deutlich besser einschließen. Vor allem Länder und Kommunen sind gefordert, Auszubildende stärker in den Blick zu nehmen und zusätzliche Angebote für das Azubi-Wohnen zu schaffen. Darüber hinaus muss es auch eine Gleichbehandlung in ÖPNV geben. Während Studierende häufig ein verbilligtes Semesterticket nutzen können (beispielsweise in Freiburg für 96 € im Halbjahr), dürfen Auszubildende ihre Reisen zur Berufsschule oder der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte komplett ohne Vergünstigung selbst finanzieren.
Vielleicht müssen sich auch die Verantwortlichen in den Handwerksverbänden und Innungen verstärkt fragen, ob sie jungen Menschen ausreichend attraktive Bildungswege im handwerklichen Bereich aufzeigen. Gibt es genügend spannende Studienangebote im Handwerk? Oder lassen wir diesen Bereich hauptsächlich von universitären Strukturen prägen, die mit der praktischen Umsetzung nur wenig Berührung haben?
Fazit
Um den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu sichern, ist es essenziell, die handwerklichen Ausbildungszahlen mittel- bis langfristig zu steigern. Die vorliegenden Daten zeigen, dass das Handwerk trotz anhaltender Herausforderungen – insbesondere bei unbesetzten Ausbildungsplätzen – mit einem Plus von 1,8 Prozent eine stabile Entwicklung bei den Neuverträgen verzeichnet. Die leichte Zunahme des Frauenanteils und die konstanten Ausbildungszahlen sind in diesem Zusammenhang sicherlich positive Signale. Dennoch ist es enorm wichtig, weitere Maßnahmen zur Fachkräftesicherung zu ergreifen. (DR)