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Firmeneigenes Schulungszentrum – notwendig oder nicht?

Weiterbildung im eigenen Betrieb: Konkurrenz für Lehrer?

Die Seco Kältetechnik, Bochum, hat Anfang März ein firmeneigenes Schulungszentrum eröffnet. KK berichtete darüber in der Mai-Ausgabe dieses Jahres (Seite 44 ff.). Seco hatte im Mai dieses Jahres die Gelegenheit, dieses Projekt anlässlich des diesjährigen BIV-Lehrertreffens in Brügge vorzustellen – mit entsprechenden emotionalen Reaktionen ihrer Fachkollegen aus berufsbildenden und Fachschulen. Wir sprachen mit Gerd-Uwe Drobig, Geschäftsführer von Seco, und Mathias Müllark, Leiter Schulungszentrum, über die Beweggründe der Gründung.


Gerd-Uwe Drobig (l.) und Mathias Müllark
Gerd-Uwe Drobig (l.) und Mathias Müllark

 

 

KK: Herr Drobig, an Sie die Frage: Warum leistet sich ein Unternehmen wie Seco ein eigenes Schulungszentrum? Was waren resp. sind die Beweggründe?

Gerd-Uwe Drobig: „Leisten“ klingt wie Luxus! Seco leistet sich kein eigenes Schulungszentrum, sondern sieht keinen anderen Weg, im zukünftigen Markt vernünftig aufgestellt zu sein! Die technischen Anforderungen werden immer komplexer und um unsere Kunden erstklassig zu bedienen, braucht unser Personal Sicherheit im Umgang mit den neuesten Technologien verschiedener Fachbereiche. Obendrein stellen wir uns damit auch der sozialen Verantwortung, junge Menschen mit weniger guten Voraussetzungen an komplexere Aufgabenbereiche des Berufs heranzuführen. Das ist mehr als ein netter Nebeneffekt.

KK: Wie beurteilen Sie den Ausbildungsstand von Berufsschul- resp. Fachschul-Absolventen im Bereich der Kälte- und Klimatechnik? Sind die heutigen, frischgebackenen Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik auf dem neuesten Stand der Technik, wenn sie ins Berufsleben starten, einmal unabhängig von den noch fehlenden Alltagserfahrungen?

Mathias Müllark: Der neueste Stand von heute ist doch morgen bereits wieder alt. Die Technik und auch die Problemstellungen, mit denen die Mechatroniker konfrontiert werden, schreiten doch seit Jahren in einem Tempo voran, dem kein Lehrplan folgen kann. Der Kältekreislauf und die steuerungstechnischen Ansätze haben sich aber in den letzten Jahren nicht grundlegend verändert, nur die Art und Weise der Umsetzung hat sich modernen Techniken und Kommunikationsmitteln angepasst. Wenn ich die grundsätzliche Funktion eines Wechsel- und Drehstrommotors wirklich verstanden habe, habe ich auch die Möglichkeit, einen EC-Motor oder einen Inverter-Verdichter zu verstehen. Diese Transferleistung erlernen die Auszubildenden nur selten in der Berufsschule. Das Problem ist also nicht unbedingt ein schlechter Ausbildungsstand, sondern vielmehr, dass das Wissen nur in den Grenzen des eigenen spezifischen Fachgebiets angewendet werden kann.

„Wir müssen lernen, unser Grundwissen auf neue Problemstellungen transferieren zu können.“

KK: Dass wir alle ein Leben lang lernen und dass es sich empfiehlt, sich nebenberuflich ständig weiterzubilden, ist eine Binsenweisheit. Tun die Unternehmen (Handwerk/Anlagenbau) zu wenig resp. genug für die berufliche Weiterbildung der Mitarbeiter?

Mathias Müllark: Unsere Gehirne sind ja keine Festplatten, auf denen wir nach Belieben neues Wissen abspeichern und nicht mehr benötigtes Wissen löschen können. Wir müssen lernen, unser Grundwissen auf neue Problemstellungen transferieren zu können. Ich muss also nicht alles wissen, aber ich sollte möglichst viel selbstständig erfassen und verarbeiten können, auch gewerkeübergreifend.

Gerd-Uwe Drobig: Wir sind fest davon überzeugt, dass viele Unternehmen in Deutschland, gerade in der Kältebranche, gerne mehr zur beruflichen Weiterbildung ihrer Mitarbeiter beisteuern würden. Leider ist aber auch ein Großteil grundsätzlich nicht in der Lage, das in die Hand zu nehmen. Viele Unternehmen unterliegen einem harten Wettbewerb und gerade in der Kältetechnik gibt es immer noch Firmen, die es nicht verstehen, ihre guten Mitarbeiter auch gut zu verkaufen. Wie Mathias Müllark schon sagte, keine Ausbildung ist so gewerkeübergreifend, wie die des Mechatronikers für Kälte- und Klimatechnik. Erst wenn man diese Zusammenhänge versteht, wird deutlich, wie wichtig die Weiterbildung im eigenen Betrieb ist.

KK: Reicht „Learning by Doing“ oder sollte/muss ein Mitarbeiter Eigeninitiative bez. seiner beruflichen Fort- und Weiterbildung ergreifen?

Gerd-Uwe Drobig: Die Frage der Eigeninitiative ist eine Generationsfrage. In den Anfängen, als es noch Kälteanlagenbauer hieß, ging ohne Eigeninitiative gar nichts. Heute sollte man bei der Fort- und Weiterbildung klar trennen: Vertieft man sein Wissen auf breiter Basis oder erkennt man den Weg spezifischer und bedarfsgerechter Qualifikation und schlägt ihn ein.

Mathias Müllark: Allerdings sind die Wege, die es zu beschreiten gilt, eben nicht für jeden klar erkennbar. Für „Learning by Doing“ bleibt heute leider keine Zeit. Das Lernen auf der Baustelle kommt schon zu spät oder gar nicht und muss zu einem früheren Zeitpunkt im Betrieb stattfinden. Einen großen Teil der Eigeninitiative kann ich als Mitarbeiter bereits dadurch erbringen, indem ich immer neugierig bleibe und mit wirklich offenen Augen durch den Arbeitsalltag laufe, um Neuheiten und Veränderungen stets zu erkennen, zu hinterfragen und zum Teil auch selbstständig zu begreifen.

„Als Geselle muss ich in der Lage sein, Funktionen der Kälte- und Steuerungstechnik selbstständig zu erfassen.“

KK: Was sind aus Ihrer Erfahrung die heute wichtigsten/schwierigsten Problemfälle in der Kälte- und Klimatechnik (z. B. Entwicklungsstand der modernen Anlagentechnik, Steuerungstechnik, Mechanik etc.), die es dringend und kontinuierlich nachzuschulen gilt?

Gerd-Uwe Drobig: Es gibt keine wichtigsten oder schwierigsten Problemfälle, wenn man es schafft, seine Leute auf einen technischen Stand zu bringen, der es erlaubt, in einem Auftragsprojekt jederzeit zu agieren und nicht zu reagieren. Eben daraus ergibt sich ja für uns die Aufgabe, vorausschauend auszubilden.

Mathias Müllark: Das in der Berufsschule vermittelte Basiswissen soll auf alle Bereiche des Berufsbildes des Mechatronikers für Kältetechnik angewendet werden. Als Geselle muss ich in der Lage sein, Funktionen der Kälte- und Steuerungstechnik selbstständig zu erfassen. Hilfe bei der Lösung fast aller Probleme bekomme ich vom technischen Support der Hersteller. Aber die Hilfe ist nutzlos, wenn ich die Probleme nicht wirklich erkennen und begreifen kann.

KK: Die Industrie resp. Hersteller bieten ja vielfach Weiterbildungsangebote in Form von sogenannten Kundenseminaren in eigenen Schulungszentren an. Letztendlich auch, um die Kunden (Handwerk/Anlagenbauer) mit der firmeneigenen Technik bekannt und vertraut zu machen. Reicht das, um technisch stets up to date zu sein?

Mathias Müllark: In diesen Schulungen geht es entweder um die Unterstützung der Betriebe bei Planung/Projektierung oder um die Besonderheiten des eigenen Produkts im technischen Service. Diese Schulungen sind bei der immer stärkeren Integration von herstellerspezifischen Steuerungsmodulen auch unerlässlich. Allerdings bin ich gespannt, welche Hersteller sich darum bemühen werden, den Umgang mit neuen Kältemitteln in Brandschutz, Personenschutz etc. zu schulen. Die Kunden gehen davon aus, dass der Mechatroniker für Kältetechnik auf dem neuesten Stand ist und auch mit den „aktuellen“ Kältemitteln und deren Besonderheiten umgehen kann. An diesem Punkt sind wir bei der Spezialisierung einzelner Mitarbeiter angelangt, die als Multiplikatoren agieren und den Kollegen ihr Wissen in den Betrieben vermitteln. Das ist überhaupt nur möglich, wenn alle Mitarbeiter über ein entsprechendes Maß an Grundwissen verfügen. Dabei können wir uns nicht auf die Industrie verlassen.

„Die einzigen Produzenten von Topmechatronikern für Kälte- und Klimatechnik sind wir, die Betriebe.“

Gerd-Uwe Drobig: Das ist der Punkt! Industriehersteller haben naturgemäß nur ihre eigenen Produkte im Sinn. Dies soll nicht bedeuten, dass die Angebote von Kundenseminaren nicht gut sind, sondern dass sie immer nur Bausteine sein können, in der komplexen Technik im Anlagenbau. Die einzigen „Produzenten“ von Topmechatronikern für Kälte- und Klimatechnik sind wir, die Betriebe.

 

KK: Was würden Sie sich für die Zukunft der Aus- & Weiterbildung in der Kälte- und Klimabranche wünschen?

Mathias Müllark: Ein Bewusstsein in den Betrieben, dass es auf dem bisher beschrittenen Weg nicht weitergehen kann. Es muss sich etwas tun, wir müssen uns kümmern, wenn wir alle auch in Zukunft mit Profis zusammenarbeiten wollen. Wir dürfen uns leider nicht nur auf die staatlichen Schulen verlassen.

Gerd-Uwe Drobig: Der reine Wunsch nach Veränderung wird uns dabei nicht helfen. Deshalb nehmen wir die Zukunft selbst in die Hand!

KK: Meine Herren, vielen Dank für diese eindrücklichen Aussagen!

Von folgenden Lehrern erhielten wir Antworten:

Dieter Schmidt, Stellv. Schulleiter,Berufsbildende Schulen Springe (BBS)

 

Zu 1: Durch die Neuordnung des Berufes2007 gilt für die Mechatroniker für Kältetechnik ein handlungsorientierter Rahmenlehrplan, der das Gebiet der Kälteanlagentechnik in 17 Lernfelder strukturiert und einemoderne, den Anforderungen des Marktesan den Beruf entsprechende Ausbildung in der Berufsschule ermöglicht. Ähnliches gilt für den Ausbildungsrahmenplan der Ausbildungsverordnung, der die betriebliche Ausbildung strukturiert. Seinen Niederschlag findet dies auch in der Abschlussprüfung, die als gestreckte Prüfung konzipiert ist. Schon im Teil 1 der Gesellenprüfung (früher Zwischenprüfung ohne Bedeutung für den Abschluss) geht es um 30 Prozent, Teil 2 bringt dann die restlichen 70 Prozent. In Teil 2 ist die praktische Prüfung („Kundenauftrag“) in die Bereiche Montieren einer Kälteanlage und Fehlersuche unterteilt, hinzu kommt ein fallbezogenes Fachgespräch. Insofern zielt die Ausbildungsverordnung klar auf einen Monteur, der über umfangreiches Fachwissen verfügt und sowohl Anlagen bauen (Montage) und warten (Service), aber auch fachgerecht kommunizieren und sich weiterbilden kann. Die Frage ist, was die an der Ausbildung Beteiligten (Betrieb, Schule, Auszubildende) daraus machen.

„Nach der bestandenen Gesellenprüfung geht die Lehre noch einige Jahre weiter, allerdings bei besserer Bezahlung.“

Der Kenntnisstand der frischgebackenen Gesellen ist so von Fall zu Fall sehr unterschiedlich und hängt abgesehen von der individuellen Lernfähigkeit stark von den betrieblichen Gegebenheiten des Ausbildungsbetriebes ab. Insofern kann man m. E. Wissenslücken nicht generell verorten.Das Gebiet der Kälte- und Klimatechnik ist sehr weit gefächert und so kann es im Extremfall vorkommen (sollte aber nicht), dass ein Auszubildender dreieinhalb Jahre Splitgeräte montiert und ihm deshalb der Kälteerzeugungsprozess von der Praxis her unerschlossen bleibt. Dementsprechend hat er auch in der Schule Schwierigkeiten, dem Stoff zu folgen, weil er die Theorie kaum mit Praxis verknüpfen kann. Wegen der erwähnten weiten Fächerung gibt es ja auch die überbetrieblichen Lehrgänge und darüber hinaus (kostenpflichtige) Gesellenprüfungsvorbereitungskurse, deren Besuch man nur empfehlen kann. Im Übrigen gilt das Wort eines Obermeisters, dass nach der bestandenen Gesellenprüfung die Lehre noch einige Jahre weitergeht, allerdings bei besserer Bezahlung.

„Nicht nur Schüler müssen lebenslang lernen, sondern auch Lehrer.“

Zu 2: Der Kaltdampfkompressionsprozess ist der „klassische“ und zurzeit zugleich wichtigste Prozess zur Kälteerzeugung im gewerblichen und industriellen Bereich. Die Schulen vermitteln traditionell und den Anwendungen des Marktes entsprechend alle wesentlichen Grundkenntnisse der Kälteerzeugung am subkritischen Prozess. Neueren technischen Entwicklungen kann sich Schule spätestens dann nicht verschließen, wenn Auszubildende damit in Kontakt kommen und Fragen haben. Besser ist es natürlich, wenn in der Schule rechtzeitig reagiert wird. Dafür müssen die Lehrkräfte ein Gespür entwickeln. Nicht nur Schüler müssen lebenslang lernen, sondern auch Lehrer. Das gilt ganz besonders für Berufsschullehrer, weniger vielleicht für Lateinlehrer. Mir ist in diesem Zusammenhang das regelmäßige Studium der Fachzeitschriften und neuerer Fachliteratur wichtig. In Springe wird beispielsweise seit 2010 im Rahmen des Lernfelds 16 „Bauen von kältetechnischen Anlagen und Systemen“ eine Unterrichtseinheit zu transkritisch arbeitenden CO2-Anlagen durchgeführt, in diesem Fall, bevor die ersten Fragen kamen. Inzwischen kann allerdings eine zunehmende Zahl von Schülern dazu Beiträge aus der Praxis liefern, weil ihre Betriebe beispielsweise in der Supermarktkälte tätig sind. Wie schnell die neueste Technik in den Schulen ankommt, hängt also entscheidend vom Engagement der Lehrkräfte ab.

 

Zu 3: Auch hier kann man nicht pauschalieren. Die schon erwähnte weite Fächerung der Kälte- und Klimatechnik kann dazu führen, dass neuere technische Entwicklungenfür einen Betrieb nicht so schnell an Bedeutung gewinnen. Sicherlich hängt hier viel, um nicht zu sagen alles, von der Betriebsführung ab. Ein Beispiel: Als ich 1991 im Unterricht die ein Jahr später in Kraft tretende FCKW-Halon-Verbotsverordnungbehandelt und als Kopie verteilt habe, baten einige Schüler um ein weiteres Exemplar,damit sie es „ihrem Chef geben“ konnten. Ein eher trauriges Bild, allerdings gab es damals noch kein Internet. Auf der anderen Seite hört man auch immer wieder von Schülern, dass sie im Betrieb an einer Fortbildung, z. B. zum Thema Umgang mit den neuen Kältemitteln, teilgenommen haben.

Zu 4: Für mich haben neben dem schon erwähnten Studium der Fachzeitschriften und neuerer Fachliteratur besonders Fachvorträge eine Bedeutung. Als DKV-Mitglied bekomme ich so regelmäßig Einblicke in neuere technische Entwicklungen. Wichtig ist auch die Info-Tour, die einige bedeutende Hersteller kältetechnischer Komponenten im Zweijahresrhythmus veranstalten. Sie hat praktisch jedes Mal zu einer Aktualisierung meiner Unterrichtseinheiten geführt. Auch besuchen wir firmenspezifische Veranstaltungen und Info-Veranstaltungen des Großhandels. Eine besondere Rolle spielt das BIV-Lehrertreffen, das Fachvorträge bietet und dem Erfahrungsaustausch der Kältelehrer dient. In Niedersachsen liegt das Budget für die Personalbewirtschaftung und somit auch für Fortbildung in der Hand der Berufsschulen. Dadurch können wir auch kostenpflichtige Fortbildungen der Branche nutzen. So konnten wir einmal einen Kollegen zu einer Regelungstechnik-Fortbildung bei Eckelmann schicken oder ich den VDI 6022 Hygiene-Inspektor machen. Insgesamt bin ich, die Möglichkeiten der Weiterbildung für Lehrer betreffend, zuversichtlich. Man kommt weiter, wenn man sich kümmert und erhält Unterstützung aus der Branche.

„Es werden die Grundlagen für die Kälte- und Klimatechnik vermittelt und eine Ausgestaltung der Ausbildung nach Stand der Technik umgesetzt.“

Rainer Flach, Studiendirektor, Abteilungsleiter Abt. 3: Kälte-Klima-Technik Berufliche Schulen des Main-Kinzig-Kreises, Gelnhausen, und Jörg Peters, Ge-schäftsführer Bundes-fachschule Kälte-Klima-Technik und Schulleiter „Private Berufsschule Mechatroniker/in für Kältetechnik Harztor/Niedersachswerfen

Zu 1: Die Landesinnung Kälte-Klima-Technik Hessen-Thüringen/Baden-Württemberg hat in ihrem Innungsbezirk drei Berufsschulen (Gelnhausen, Harztor/Niedersachswerfen und Leonberg) sowie drei Ausbildungsorte der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik. Die Ausbildungsbetriebe, die Berufsschulen sowie die Bundesfachschule als überbetriebliche Ausbildungsstätte verantworten gemeinsam die Ausbildung der Mechatroniker für Kältetechnik. Die offen gestalteten Rahmenlehrpläne für Betrieb, Berufsschule und ÜBA-Stätte sind so ausgearbeitet, dass für die Kälte- und Klimatechnik die Grundlagen vermittelt werden und eine Ausgestaltung der Ausbildung nach Stand der Technik umgesetzt wird. Die Berufsschulen und die Bundesfachschule legen mit ihrer Ausbildung die Fundamente, damit die Auszubildenden im Betrieb ihre Aufgaben im Rahmen der betrieblichen Orientierung erfüllen können.

 

Zu 2: Die Ausbildung der Mechatroniker für Kältetechnik an den Berufsschulen und der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik wird durch das Lehrpersonal so durchgeführt, dass die „klassischen“ Grundlagen in der Kälte-, Klima-, Elektro- und Umwelttechnik vermittelt werden. Ziel ist es, dass die berufliche Handlungsfähigkeit gegeben ist. Berücksichtigt werden dabei die aktuellen Themen und Techniken, sodass betriebliche Erfordernisse erfüllt werden und eine Basis für die Betriebsentwicklung gegeben ist. In unserem Innungsbezirk sind die Mitarbeiter der Berufsschulen und der Bundesfachschule eng vernetzt und in die Innungsarbeit eingebunden. Die vielfältigen und regionalen Innungsveranstaltungen sowie die Arbeit der Ausschüsse ermöglichen eine schnelle, zeitnahe Rückkopplung von Entwicklungen in den Betrieben auf die Gestaltung der Ausbildungsinhalte. Durch regelmäßige Investitionen an den Schulen wird sichergestellt, dass die Ausbildungstechnik aktuell ist und bleibt.

 

Zu 3: Unsere aktive und regelmäßige Innungsarbeit mit Rundschreiben und Vorträgen sowie das Bildungsangebot der Schulen, Ausbildertagungen und die Zusammenarbeit mit dem DKV bieten den Fachbetrieben aktuelle Informationen.

 

Zu 4: Die Lehrer der Berufsschulen und die Dozenten der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik stehen in engem, regelmäßigem Erfahrungsaustausch und sind in die Innungsarbeit eingebunden. Jährliche Weiterbildungswochen durch Referenten der BFS und der Industrie gewährleisten die Aktualität der Aus- und Weiterbildung.

„Es fehlt bei vielen umfangreiche Praxis und es besteht noch größerer Bedarf an Erfahrungen, die man in unserem Handwerk unbedingt braucht!“

 

 

 

 

Dipl.-Ing. Karsten Beermann, Geschäftsführer Informationszentrum für Kälte-, Klima- und Energietechnik gGmbH, IKKE, Duisburg

Zu 1: Die Ausbildung zum Mechatroniker für Kältetechnik ist laut Rahmenlehrplan (2007) sehr umfangreich und die Auszubildenden mit bestandener Gesellenprüfung (übrigens nach 3,5 Jahren, falls nicht verkürzt) sind schon gut präpariert. Dennoch fehlt bei vielen umfangreiche Praxis – und es besteht noch größerer Bedarf an Erfahrungen, die man in unserem Handwerk unbedingt braucht! Je nachdem bei welchem Ausbildungsbetrieb der Auszubildende war, sind die Erfahrungslücken unterschiedlich, mal nur Schwerpunkt Klima, mal nur Gewerbekälte oder mal nur Industriekälte!

Zu 2: In den Berufsschulen und den Fachschulen ist man sicherlich traditionell aufgestellt und es wird in der Hauptsache an den Grundlagen gearbeitet. Bei den Fachschulen konzentriert man sich insbesondere durch Sonderlehrgänge mit der aktuellen Technik. Der generelle Umschwung auf die natürlichen Kältemittel läuft nur langsam an. Auch die erforderlichen Anschaffungen erschweren einen schnelleren Wechsel. In der Hauptsache werden zunächst die theoretischen Grundlagen der neuesten Technik vermittelt. Zug um Zug folgt dann die Praxisausbildung. Grundsätzlich ist hier erhöhter Handlungsbedarf!

Zu 3: Die Betriebe sind vielfach mit dem Tagesgeschäft so ausgelastet, dass sie froh sind, wenn sie aktuelle Informationen besonders durch die Fachschulen erhalten. Man verlässt sich auch gern auf die Unterweisungen bei den ÜBL. Grundsätzlich bleibt dabei aber auch viel auf der Strecke und der Auszubildende ist auch schon selbst gefordert! Es gibt viele Betriebe, die „durchhängen“, aber auch mehrere, die auf einem sehr hohen Standard arbeiten. Diese Betriebe haben dann aber auch eine entsprechende Größenordnung. Hier sind die Auszubildenden dann auch klar im Vorteil.

Zu 4: Die Fachlehrer in unserem Hand-werk sind eigentlich hochmotiviert und Nutzen erste Informationen zur aktuellen Technik über die Fachpresse, wie z. B. die KK. Weiterhin finden individuelle Weiterbildungen in Verbindung mit Herstellern statt. Eine besondere Weiterbildung wird jährlich durch das BIV-Lehrertreffen angeboten, wo Industrie, Groß-handel, Fachschulen und der Gentner Verlag wesentliche Unterstützer sind. Da-bei findet ein reger Austausch aller Berufs- und Fachschulen statt und man hat gute Vergleiche.

 

Meike Heigert, David-Roentgen-Schule, Neuwied

 

Zu 1: Die duale Berufsausbildung soll den Gesellen dazu befähigen, mit einem möglichst breiten Handlungskompetenzspektrum selbstgesteuertProbleme und Anforderungen anzugehen. Hierbei können wir als Lernbegleiter das nötige Rüstzeug zugrunde legen, um den angehenden Gesellen dazu zu befähigen, aufgrund der erlernten fachlich breit gestreuten Grundkenntnisse, vertiefende Problemstellungen zu analysieren und in der Praxis kompetent zu lösen. Durch ständige Weiterentwicklungen in der Technik ist es uns auch wichtig, dass unsere Neugesellen sich bewusst sind, dass die (Aus-)Bildung in einem technischen Beruf niemals abgeschlossen sein kann, sondern immer um die neuesten Errungenschaften erweitert werden muss, um weiterhin handlungskompetent zu sein. Da unsere Auszubildenden aus vielen unterschiedlichen Betrieben – sowohl aus der Industrie als auch aus dem Handwerk – kommen, kann ich die Frage nach den Lücken so nicht pauschal beantworten, da viele Betriebe unterschiedliche Schwerpunkte haben können. Wichtig allerdings ist, dass die Umstellung auf Lernfelder im Lehrplan stattgefunden hat, welche neben Fachwissen auch Prozessdenken und vernetztes Denken in den Lehrplan integriert. Hierdurch ist es den Junggesellen hoffentlich besser möglich, sich flexibel an Neuerungen in der Technik anzupassen.

„Die (Aus-)Bildung in einem technischen Beruf kann niemals abgeschlossen sein, sondern muss immer um die neuesten Errungenschaften erweitert werden.“

Zu 2: In diesem Sinne von Wissensvermittlung zu sprechen halte ich für bedenklich. Viel wichtiger sollte es sein, Strategien zum Wissenserwerb aufzuzeigen und mit den Auszubildenden an den fachlich breit gestreuten Grundkenntnissen zu üben, damit diese sich selbst und ständig in ihrer beruflichen Zukunft weiterbilden können und sich so – trotz neuester Technik – Handlungskompetenz bewahren. Aus diesem Grund würde ich hier auch nicht von klassischer Ausbildung sprechen, da die klassische Ausbildung für mich noch die Fachsystematik beinhaltet, welche durch die Verankerung von Lernfeldern aufgebrochen wurde. Natürlich bemühen wir uns als Partner im dualen System auf dem technisch aktuellen Stand zu bleiben, jedoch wird die Berufsausbildung für den Mechatroniker für Kältetechnik immer komplexer und man muss aufgrund der knappen Zeitressourcen eine Auswahl der technischen Neuerungen treffen.

Zu 3: Meine Erfahrungen bezüglich der Ausbildungsbetriebe sind sehr positiv geprägt. Durch eine breite Streuung innerhalb der Betriebe – Handwerk und Industrie – und die damit verbundene Spezialisierung, sind viele Betriebe in ihren Bereichen selbstverständlich auf dem aktuellen Stand. Diese Informationen werden natürlich an interessierte Auszubildende weitergegeben, die dieses Wissen auch mit in den Unterricht einbringen und diesen hierdurch stark bereichern.

Zu 4: Wir als Lehrerschaft aktualisieren unseren fachlichen Kenntnisstand sehr regelmäßig. Wir halten engen Kontakt zu den Ausbildungsbetrieben und bilden uns auch bei diesen in Form von Praktika und einem regelmäßigen partnerschaftlichen Austausch als Mitgestalter der Dualen Ausbildung fort. Hierzu bieten sich unter anderem die Innungsversammlungen sowie bundesweite Lehrertreffen an, um in einen regen fachlichen Austausch zu treten. Weiterhin nutzen wir die Möglichkeiten, uns durch Fachzeitschriften und Fachliteratur sowie natürlich Fachmessen auf dem neuesten Stand zu halten.

„Der Kenntnisstand ist meist gut, vor allem aber solide. Er weist ein hohes Maß an Grundkenntnissen und -fertigkeiten auf.“

 

 

 

 

 

Stephan Hofmann, Schulleiter Norddeutsche Kälte-Fachschule (NKF), Springe

Zu 1: Der Kenntnisstand ist meist gut, aber vor allem solide. Er weist ein hohes Maß an Grundkenntnissen und -fertigkeiten auf, mit denen man in der praktischen Berufswelt einen guten Einstieg hat. Dennoch: die Ausbildung geht weiter, jetzt jedoch mit vollem Gehalt und deutlich mehr Verantwortung. Lücken gibt es beim Erfassen komplexer Zusammenhänge aufgrund fehlender Erfahrung, ebenso zurzeit noch bei „neuen“ Kältemitteln, wie CO2 und Propan. Auch stehen Steuerungs- und Regelungstechnik sowie die Kenntnisse von RLT-Systemen häufig auf wackeligen Füßen.

Zu 2: Das ist sicherlich stark abhängig von den einzelnen Schulen. Bei der Norddeutschen Kälte-Fachschule (NKF) und der Berufsbildenden Schule in Springe (BBS) sehe ich eine starke Orientierung zu neuen Techniken, also wenig klassisch. Wie schnell die neueste Technik an den Schulen ankommt und wie sie vermittelt wird, ist abhängig von den jeweiligen Bildungseinrichtungen. In ca. fünf Jahren kann man mit einer praxisorientierten Vermittlung bundesweit rechnen.

„Wenn Mängel bei der Informationsbeschaffung auftreten, handelt es sich bei uns meist um eine Holschuld.“

Zu 3: Betriebe sind meist zu stark von der Art der Kundenaufträgen beeinflusst, um die Ausbildung gemäß dem Ausbildungsrahmenplan durchzuführen. Die Weitergabe von aktuellen technischen Informationen ist stark abhängig von der Arbeit der jeweiligen Innung. Für Niedersachsen/Sachsen-Anhalt kann man von einer sehr guten Information ausgehen. Wenn Mängel bei der Informationsbeschaffung auftreten, handelt es sich bei uns meist um eine Holschuld.

Zu 4: Wieder nur für uns gesprochen, permanent durch Lehrgänge, Praktika und Eigeninitiative.

Florian Zähringer, Schulleiter Sächsische Kältefachschule (SKF), Reichenbach

Zu 1: Während der dreieinhalbjährigen Ausbildung werden die Auszubildenden auf die wesentlichen Aufgaben vorbereitet, die sie als Gesellen zu bewältigen haben. Der Abschluss als Mechatroniker für Kältetechnik beschränkt sich dabei jedoch nicht nur auf einzelne Anwendungen, sondern deckt weitreichende Kenntnisse und Fertigkeiten auf dem Gebiet der Kältetechnik ab. Nach bestandener Prüfung hat man sich als Junggeselle somit einen bestimmten Wissensstand erarbeitet, wobei es nun gilt, diesen auf neue Aufgabenstellungen anzuwenden, das Gelernte abzurufen und eine gewisse Routine zu entwickeln. Defizite im Lernprozess sind häufig im Bereich der Elektrotechnik und bei der Inbetriebnahme von Kälteanlagen zu sehen, da aufgrund eines zumeist engen Ablaufplans im Ausbildungsbetrieb oder beim Kunden außerhalb der schulischen Werkstätten nur wenig Zeit für Wiederholungen und Übungen zur Verfügung steht. Das betrifft auch den Kenntnisstand junger Facharbeiter im Umgang mit natürlichen Kältemitteln, wobei dies mehr auf die fehlende Praxis als auf mangelndes Interesse zurückzuführen ist.

Zu 2: Die Vermittlung der zahlreichen Inhalte ist eine der täglichen Herausforderungen im Schulbetrieb. Neben den wenigen „Konstanten“, wie zum Beispiel Mathematik-oder Thermodynamikunterricht, sind Neuerungen permanent zu berücksichtigen und überholte Technik ist aus der Stoffverteilungzu streichen bzw. sollte diese nur am Rande Erwähnung finden. Nun ist es die Aufgabe der Schulen zum einen herstellerneutral zu bleiben, zum anderen abzuwägen, welche der Innovationen sich auf dem Markt durchsetzen und somit in der Ausbildung berücksichtigt werden müssen. Die Erarbeitung entsprechender theoretischer Unterrichtseinheiten ist in der Regel relativ kurzfristig realisierbar, da die Schulen mit den notwendigen Informationen vom Handel oder der Industrie zumeist gut versorgt werden. Dagegen gestaltet sich der Aufbau neuer Demo- bzw. Schulungsanlagen etwas schwieriger. Neben dem z. T. hohen finanziellen Aufwand ist dies u. a. darauf zurückzuführen, dass im Zeitalter der natürlichen Kältemittel, insbesondere in Schulgebäuden, zahlreiche Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen sowie eine Reihe von behördlichen Vorgaben zu beachten sind. Ungeachtet dessen sind die meisten Schulen hinsichtlich ihrer technischen Ausstattung auf dem Stand der Technik.

Zu 3: Ein Großteil der Ausbildungsbetriebe hat großes Interesse daran, sich bezüglich der neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Dies erkennt man vor allem daran, dass die verschiedenen Fachveranstaltungen und -tagungen nicht nur von Vertretern des Handels und der Industrie, sondern eben auch von den Mitarbeitern der Kältefachbetriebe gut genutzt werden. Wie viel bei den Auszubildenden dann ankommt, hängt maßgeblich davon ab, inwiefern die neue Technik in die Praxis umgesetzt wird. Solange ein Betrieb keine CO2-, Propan- oder NH3-Anlagen baut, wird der Auszubildende auch nicht mit dieser Technik vertraut sein.

Zu 4: Neben dem jährlich stattfindenden bundesweiten BIV-Lehrertreffen, dem Sächsischen Lehrertreffen und dem damit einhergehenden Erfahrungsaustausch gibt es zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrer. Dies sind u. a. die einschlägigen Fachtagungen, Innungsveranstaltungen und -schulungsangebote sowie auch die Informationsveranstaltungen der Großhändler und Hersteller. Aufgrund des engen Kontaktes der Schulen zu Handel und Industrie werden Sonderschulungen für Lehrer zu den neuesten Entwicklungen bzw. zur Auffrischung der Kenntnisse regelmäßig durchgeführt. Da nicht alle Lehrer an allen Veranstaltungen teilnehmen können, beläuft sich die Weiterbildung je Kopf auf durchschnittlich drei bis fünf Tage im Jahr.

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