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Handwerkskammer Region Stuttgart

Ja zum Meister

Einen Tag nach der Europawahl betonten beide bei der Vollversammlung der Handwerkskammer Region Stuttgart, dass Brüssel das erfolgreiche Ausbildungs- und Qualifizierungsmodell des deutschen Handwerks nicht aufs Spiel setzen dürfe. Vielmehr sei genau dieses System besonders geeignet, die Jugendarbeitslosigkeit einzudämmen und die globale Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes sicherzustellen. Als wegweisend bezeichnete Rainer Wieland, dass das Handwerk im Rahmen der Evaluation für das „Wertpapier Meisterbrief“ weiterhin eine intensive Markenpflege betreibe. „Hierin sehe ich eine Chance, die Vorteile des Meistervorbehalts unmissverständlich zu kommunizieren“, erklärte der Europaabgeordnete.

„Deshalb kämpfen wir für den deutschen Meistertitel und dazu brauchen wir die Unterstützung der Politik“, betonte Reichhold. Er forderte die Vertreter Deutschlands in Brüssel sowie die Bundesregierung auf, den deutschen Sonderweg als unverzichtbar zu verteidigen und einer weiteren Deregulierung massiv entgegenzutreten. „Aus der ganzen Welt schickt man Delegationen zu uns, denen wir zeigen sollen, wie wir funktionieren – und dann sägt man an dem Ast, auf dem wir alle gemeinsam sitzen.“ Kammerpräsident Reichhold ist sich sicher: „Die besseren Argumente hat das Handwerk: 95 Prozent der Auszubildenden im deutschen Handwerk werden in Meisterbetrieben oder in Betrieben mit gleichwertig qualifizierten Betriebsleitern ausgebildet.“ Die Ausbildungsquote im deutschen Handwerk ist mit knapp 8 Prozent sogar mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Damit ist die nachgewiesene Qualifikation der Ausbilder im Handwerk wesentlicher Garant für die in Deutschland mit etwa 7,4 Prozent niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union. „Wenn wir die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland gering halten wollen, darf am Meistertitel in keinster Form gerüttelt werden – sonst haben wir bald Verhältnisse wie in Griechenland oder Spanien. „Des Weiteren sei der qualifikationsgebundene Berufszugang Voraussetzung für ein nachhaltiges, qualitätssicherndes Unternehmertum im Handwerk. „Hier steht der Meistertitel für Qualitätsarbeit und Verbraucherschutz“, sagte Reichhold. Betriebsgründungen im zulassungspflichtigen Bereich seien überdurchschnittlich bestandsfest. Die Negativwirkungen einer Deregulierung belegen die Auswirkungen der Handwerksnovelle 2004: Nach einem kurzfristigen Anstieg der Betriebsgründungen bei zulassungsfreien Handwerken waren bereits 60 Prozent der Betriebe nach fünf Jahren wieder vom Markt verschwunden. Was dagegen bleibt, sei ein eklatanter Einbruch der Ausbildungsbetriebsquoten in diesen Gewerken und die Gewissheit eines fehlgeleiteten Vorhabens. „Klar ist: Das Handwerk mit seinem dualen Berufsausbildungssystem garantiert eine hohe Ausbildungsleistung und es steht für ein nachhaltiges Unternehmertum und aktiven Verbraucherschutz“, erklärte Reichhold.

Mit Unverständnis beobachtet das deutsche Handwerk die Brüsseler Transparenz-Initiative, die den Meistervorbehalt als Garant der deutschen Ausbildungsqualität im Handwerk in Frage stellt. Demnach sollen alle Berufszugangsregelungen überprüft und einem Dialog zwischen den Mitgliedsstaaten unterzogen werden. Andere europäische Staaten wie Großbritannien, die Niederlande und die skandinavischen Länder geben dem absolut freien Wettbewerb den Vorrang. Die Pflicht zur Qualifizierung, die im deutschen Handwerk als unverzichtbar angesehen wird, stößt dort auf wenig Verständnis. (DR)

www.hwk-stuttgart.de