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ASERCOM Convention 2026

Zwischen Regulierung, Realität und technologischem Wandel

Den Auftakt der regulatorischen Debatte machte Arno Kaschl von der Europäischen Kommission. Er bezeichnete die F-Gas-Verordnung als eine Erfolgsgeschichte, deren Preisdruck auf HFKW-Kältemittel weiterhin hoch genug sei, um Innovationen voranzutreiben. Gleichzeitig wies er auf Vereinfachungen wie die im Rahmen von „Omnibus IV“ optimierte Registrierung im F-Gas-Portal hin. Besonders praxisrelevant war seine Klarstellung zu Ausnahmeregelungen: Wenn etwa aus Sicherheitsgründen (z. B. zu kleiner Aufstellraum) kein A3-Kältemittel eingesetzt werden kann, liegt die Entscheidung für eine Alternative beim Techniker, der diesen Prozess jedoch lückenlos dokumentieren muss. Die Verantwortung reicht damit bis zum einzelnen Monteur.

Direkt im Anschluss beleuchtete Manon Roussel (EPEE) die weiterhin unklare Situation rund um die PFAS-Regulierung. Sie merkte scherzhaft an, dass ihr Vortrag seit drei Jahren inhaltlich fast unverändert sei, da eine finale Entscheidung noch ausstehe. Ein finales Hintergrunddokument mit über 1000 Seiten soll jedoch vorgelegt werden und als Grundlage für die künftige Regelung dienen. Die Branche wartet weiterhin gespannt auf einen pragmatischen Weg zur Umsetzung, wie Torben Funder-Kristensen (Danfoss) in seinem Beitrag betonte.

Prof. Baolong Wang (China Association of Refrigeration / Tsinghua University) ist einer der Gastredner der außer-europäischen Pendants

Bild: ASERCOM

Prof. Baolong Wang (China Association of Refrigeration / Tsinghua University) ist einer der Gastredner der außer-europäischen Pendants

Große Unternehmen sollen zu Forschung und Entwicklung ermutigt werden, um kleinere Betriebe zu entlasten


Zwischen Fünfjahresplan und „Reality Check“

Einen faszinierenden Einblick in die Entwicklungen in China gab Prof. Baolong Wang. Er stellte den Fünfjahres-Plan des Landes vor, der einen starken Fokus auf die Reduzierung von Kältemittelfüllmengen und ein umfassendes „Lifecycle Refrigerant Management“ legt, um Leckagen zu minimieren. Mit Konzepten wie der „intelligenten Steckdose“, die den Betrieb von Klimaanlagen und Wärmepumpen an den Strompreis anpasst, und der direkten Nutzung grüner Energiequellen vor Ort will China die Effizienz vorantreiben. Interessant war auch der Ansatz des „Encouragement for Change“: Große Unternehmen sollen gezielt zu Investitionen in Forschung und Entwicklung ermutigt werden, um kleinere Betriebe zu entlasten. Die PFAS-Entwicklung in der EU wird dabei genau beobachtet.

Für den wohl eindringlichsten „Reality Check“ des Tages sorgte Stephen Yurek (AHRI) aus den USA. Unter dem Titel „Sustainability in times of uncertainty“ mahnte er, die wachsende Kluft zwischen politischen Zielen und der Lebensrealität der Menschen nicht zu ignorieren. Themen wie Lebenshaltungskosten und die finanzielle Belastung von 60 % der US-Bürger, die weniger als 1000 US-Dollar Ersparnisse haben, seien der Grund für den politischen Gegenwind. Dabei brachte er auf den Punkt, dass sich die Spielregeln fundamental geändert hätten. Seine Botschaft: „Ich sage nicht, wir sollen aufhören, aber wir müssen uns anpassen.“ Politik, die auf reinen Bestrebungen basiert, ohne die Realität der Bürger zu berücksichtigen, sei zum Scheitern verurteilt.

Stephen Yurek vom ameriaknischen Verband AHRI spricht aus Sicht der USA. Die Erschwinglichkeit grüner Technologien liegt hier im Fokus.

Bild: ASERCOM

Stephen Yurek vom ameriaknischen Verband AHRI spricht aus Sicht der USA. Die Erschwinglichkeit grüner Technologien liegt hier im Fokus.

Standards, ESG und Ecodesign: Das Fundament für die Zukunft

Ein Block der Convention widmete sich den technischen Grundlagen, die die Branche prägen. Francois Finet (Tecumseh) stellte die Arbeit an einer Methodik für die ESG-konforme (Environment, Social, Governance) Komponentenentwicklung vor. Bachir Bella (Copeland) gab ein Update zum Thema Ecodesign, das weiterhin eine zentrale Rolle bei der Effizienzsteigerung spielt.

Marek Zgliczynski (Nidec) präsentierte die neuesten Entwicklungen bei relevanten Standards für Leistungstests, Leistungsbewertung und Sicherheit. Er würdigte das Vermächtnis des verstorbenen Mitglieds Heinz Jürgensen, dessen Arbeit maßgeblich dazu beitrug, die US-amerikanischen und europäischen Standards für Verdichter-Leistungstests anzugleichen. Dieser Fortschritt erleichtert den globalen Handel und die Vergleichbarkeit von Komponenten erheblich.

Cybersicherheit und Zertifizierung: Die digitale Transformation der Branche

Christian Ellwein (Kriwan) widmete sich einem der meistunterschätzten Risiken der Branche: der Cybersicherheit. Er identifizierte veraltete Protokolle wie ModBus RTU als eines der größten Sicherheitsrisiken in Kälte-, Klima- und Wärmepumpensystemen. Um eine Zersplitterung in verschiedene Standards zu vermeiden, fördert ASERCOM aktiv „Single Pair Ethernet“ als zukunftssichere Lösung. Als potenzieller Nachfolger für ModBus RTU wurde ModBus EDS vorgestellt, dessen Spezifikationen in Kürze veröffentlicht werden. Ein entsprechender Editor wird bereits in Zusammenarbeit mit der Hochschule Karlsruhe entwickelt.

Abschließend stellte Gaël Renevier (Danfoss) die Überarbeitung des ASERCOM-Zertifizierungsprogramms für Verflüssigungssätze vor (CCU 2.0). Er verdeutlichte, wie sich die Genauigkeit der Leistungszertifizierung in den letzten 25 Jahren verbessert hat – von Abweichungen um 30 % und mehr zu einer verlässlichen Übereinstimmung von publizierten Daten und realer Leistung.

Arno Kaschl (DG Clima, EU Kommission) gibt Einblicke in die bisherigen erfolge der F-Gas-Regulierung

Bild: ASERCOM

Arno Kaschl (DG Clima, EU Kommission) gibt Einblicke in die bisherigen erfolge der F-Gas-Regulierung

KK: Stellen wir uns vor, ich bin Kälteanlagenbauer oder Techniker. Wie wirkt sich Ihre Arbeit auf meinen Arbeitsalltag aus?

Marco Masini: Wenn Sie ein Installateur sind, kümmern Sie sich um Ihre Kunden. Deren Hauptanliegen sind Energieeffizienz, Sicherheit und eine ordnungsgemäße Installation, denn sie wollen weniger für die Wartung ausgeben. Da die Kältemittelkosten in die Höhe schießen, ist die Wartung ein wichtiger Faktor. Was tut ASERCOM in dieser Hinsicht? Wir stellen dem Markt Leitfäden zur Verfügung, sowohl für die Hersteller von Geräten als auch für diejenigen, die komplette Anlagen errichten, um ihre Arbeit zu erleichtern.

Einer unserer erfolgreichsten Leitfäden war zum Beispiel der für A2L-Kältemittel, der dazu dient, die Risiken korrekt zu bewerten und zu managen. Letztendlich ist es keine große Sache, mit diesen Kältemitteln umzugehen. Im Brandschutz muss man drei Komponenten berücksichtigen: den Zündpunkt, den brennbaren Stoff und die Luft. Wenn man nicht alle drei zusammen im richtigen Verhältnis hat, ist man immer sicher. In dem Leitfaden zeigen wir den Leuten, wie man die richtigen Komponenten auswählt und wie man die Anwesenheit dieser drei Elemente, zum Beispiel in einem Maschinenraum, handhabt, um die Sicherheit des Installateurs zu gewährleisten.

Außerdem schulen wir die Leute und erklären ihnen den Umgang mit Normen. Denken Sie daran, dass unsere Arbeit eine technische ist, man sollte also zumindest die Grundlagen kennen. Wann immer wir über eine Verbindung sprechen, sei es Löten oder Schweißen, müssen wir eine bestimmte Norm einhalten, um die Sicherheit des Systems zu gewährleisten. Das ist etwas, das wir zum Beispiel in unseren Arbeitsgruppen ansprechen, indem wir Informationen darüber bereitstellen, was eine dichte Verbindung ist und wie man sie perfekt herstellt. Das ist die Art von Informationen, die wir dem Markt zur Verfügung stellen.

KK: Die Konferenz, auf der wir uns gerade befinden – warum sollte sie für einen Installateur von Interesse sein?

Marco Masini: Im Grunde können sie hier viele zusätzliche Informationen für ihre Kunden sammeln – Informationen, die normalerweise nicht leicht zugänglich sind. Sie können verstehen, warum bestimmte Richtlinien auf eine bestimmte Weise umgesetzt werden, warum wir ein bestimmtes Leistungsniveau erreichen wollen und warum und wie man eine geringe Umweltbelastung erzielt. ESG zum Beispiel ist auch für die Kunden unserer Installateure ein Thema, denn jeder fragt nach Leistungs- und Umweltzertifizierungen. Wir liefern diese Art von Inhalten.

Bei uns sind nicht nur große Unternehmen vertreten. Wir haben auch ein Interesse an den Installateuren, denn sie sind diejenigen, die die Sicherheit und die Leistung des Gesamtsystems wirklich umsetzen. Man kauft einen Verdichter, einen Wärmetauscher und Ventile, und dann baut man ein System zusammen, das funktionieren muss. Die Installateure sind also der Schlüssel. Deshalb kümmern wir uns zum Beispiel um die EN 378. Die EN 378 ist eine Norm, die jeder kennen sollte, denn sie sagt einem, wann man ein konformes und sicheres System baut. Ich denke also, Installateure sind herzlich willkommen. Nächstes Jahr werden wir eine weitere Konferenz veranstalten, und ich hoffe, Sie helfen uns, Leute zu motivieren zu kommen, denn sie können einen echten Mehrwert mitnehmen.

KK: Ein großer Teil der heutigen Präsentationen befasste sich mit der europäischen Gesetzgebung. Welchen Einfluss hat ASERCOM dabei?

Marco Masini: Das ist die Frage, die mir neue Mitglieder immer stellen. Hier gibt es einen entscheidenden Punkt. Wie gesagt, wir sind ein technischer Verband. Wir haben zwei sehr wichtige und grundlegende Zertifizierungsmodelle: unsere Zertifizierung für Verdichter, die es seit 30 oder 35 Jahren gibt, und die Zertifizierung für Verflüssigungssätze. Dank dieser beiden Zertifizierungen sammeln wir eine Reihe von Daten und Informationen, die die Grundlage für jede Art von Politik bilden, die man gestalten möchte.

Wenn sich zum Beispiel die Kältemittellandschaft ändert, haben wir die realen Daten, um jede Art von Anlage und Situation zu analysieren und die besten Lösungen zu finden. Das ist nicht immer das Kältemittel mit dem niedrigsten GWP; es kann auch etwas anderes sein, wie zum Beispiel brennbare Stoffe. Aber wenn man brennbare Stoffe verwenden muss, muss man das Risiko mindern. Wir nutzen also technische Informationen, um die Politik und die Gesetzgebung zu beeinflussen und zu lenken. Deshalb kümmern wir uns um die Gesetzgebung und sind damit sehr erfolgreich.

Wir sind selbst keine Lobbyisten. Wir sind eine Gruppe von hochrangigen Komponentenherstellern, die Daten an andere Verbände und Lobbyisten liefern, damit diese ihre Arbeit bei der Beeinflussung der Politik machen können. Das ist etwas kompliziert, aber es funktioniert, und wir stehen an der Basis von allem.

KK: Das ist also die Verbindung zur realen Welt: Sie nutzen reale Daten, um die Gesetzgebung und die Politik zu beeinflussen.

Marco Masini: Absolut. Und das ist eines der wichtigsten Elemente der Teilnahme an unserem Verband. Wir haben auch wichtige Verbände aus Ihrem Land in unserem Vorstand, wie den VDKF und den ÖKV aus Österreich. Sie sind hier, um sich über Lösungen für verschiedene Sektoren zu informieren, um ihren Mitgliedern eine Orientierungshilfe für adäquatere und sicherere Lösungen zu geben. Das ist eine zweiseitige Kommunikation. Letztendlich müssen die Installateure dieses Feedback erhalten und wissen, welche Entscheidungen sie für die kommenden Jahre treffen müssen.

KK: Das ist ein gutes Stichwort. Was ist die Kernaussage, die Installateure mitnehmen sollten?

Marco Masini: Ich möchte hier eine Säule der Politik in ganz Europa betonen. Zuerst einmal muss man sich um die Sicherheit kümmern. Man kann nicht arbeiten, wenn man nicht sicher ist, und man kann keine Anlage ausliefern, wenn sie nicht sicher ist. Also, erstens: Sicherheit. Dann kommt die Umwelt, was bedeutet, Kältemittellecks zu verhindern. Und drittens, an letzter Stelle, steht die Effizienz. Das heißt, wenn man das Kältemittel sicher im System hält, hat man ein effizientes System. Die Wertepyramide, die wir betrachten, ist also: Sicherheit, Umwelt und Effizienz. Für einen Installateur ist das eine grundlegende Orientierungshilfe.

KK: Marco Masini, vielen Dank für Ihre Zeit und die Einblicke. OB

ASERCOM-Präsident Marco Masini

Bild: KK-Redaktion

ASERCOM-Präsident Marco Masini

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