Die ersten Tagesordnungspunkte nach der Begrüßung durch Bundesinnungsmeister Björn Sielaff und Geschäftsführer Torsten March sind hier schnell abgehakt. Kurzfassung: Der Haushalt des Bundesinnungsverbands steht nach einer Verlust-Delle im Jahr 2023 und einem leichten Plus in 2024 mit einem deutlichen Plus in 2025 wirtschaftlich sehr gesund da. Die erfreuliche Bilanzentwicklung trotz geringerer Herstellerzuschüsse ist unter anderem auf Personaleinsparungen in der Verwaltung und bei Reisetätigkeiten zurückzuführen, die zunehmend durch regelmäßige Video-Meetings ersetzt werden konnten. Burkhard Rüßmann und Frank Strakerjahn bestätigten als Rechnungsprüfer die ordnungsgemäße Buchführung, sodass der Vorstand einstimmig entlastet wurde.
Sehr aktiv war der Verband im zurückliegenden Jahr unter anderem in der Taskforce für klimaübergreifende Gewerke, die auch politisch zunehmend Einfluss gewinnt. Schon während der Vorstellung des Tätigkeitsberichts wurde immer wieder deutlich, dass die Verbesserung der unbefriedigenden Azubi-Situation im Kälte- und Klimahandwerk eine der wichtigsten aktuellen Aufgaben ist.
Die Diskussion über die Nachwuchsgewinnung war auch ein heiß diskutiertes Thema im TOP 10, Verschiedenes. Vorschläge lauteten unter anderem, unter anderem gezielt heranzugehen an Studienabsolventen, aber auch an Studienabbrecher aus den Bereichen Elektrotechnik, Verfahrenstechnik, Maschinenbau und weiteren, Stichwort: „Abbrecher sollten lieber ins Handwerk kommen als bei Mc Donalds zu landen“. Die Initiativen müssten allerdings auch von den Betrieben getragen werden. Da sei jeder einzelne gefragt! Leider gibt es diesbezüglich auch Defizite!
Die Diskussion bildete die perfekte Überleitung zum Vortrag von Dirk Steiger, der den BIV mit seiner Hamburger Agentur für Werbung, Konzept und Text seit vielen Jahren mit aufsehenerregenden Kampagnen unterstützt. Wie ein roter Faden zieht sich seit 15 Jahren der Claim „Der coolste Job der Welt“, flankiert durch entsprechende Social Media-Präsenzen und die Webseite www.der-coolste-job-der-welt.de durch die Öffentlichkeitsarbeit der Branche, und Steiger konnte belegen, dass die werblichen Aktivitäten über den gesamten Kampagnenverlauf zu einem kontinuierlichen Zuwachs bei den Auszubildendenzahlen beitrug, namentlich von 3.321 Azubis im Jahr 2009 auf 5.408 im Jahr 2025, wobei es zwischendrin kein einziges Jahr mit rückläufigen Zahlen gab. So positiv dies ist, so wenig reicht es, um alle offenen Stellen zukünftig sicher besetzen zu können. Grund dafür ist nach einhelliger Überzeugung der BIV-Versammlungsteilnehmer, dass des Kälte- und Klimahandwerk als Berufsrichtung nach wie vor in der Öffentlichkeit und insbesondere unter Ausbildungsplatzsuchenden trotz der Kampagnen im Vergleich beispielsweise zum Kfz-Mechatroniker nach wie vor viel zu wenig bekannt sei.
Das sieht auch Dirk Steiger so und zeigte in seinem Vortrag verschiedene Möglichkeiten auf, wie sich die Branche werblich ständig am Puls der Zeit halten könne. Dazu gehört auch, die Kampagne mit einer zielgruppengerechten Ansprache immer wieder ein zeitgemäßes Gesicht zu geben – mit (teils) ironischen, teils witzig-frechen Claims, mit Guerilla-Marketingaktionen, mit Social Media-Botschaftern, mit neuen Werbemitteln und mit ständiger Präsenz online wie im real life auf Ausbildungsmessen und Branchenevents, aber auch durch Plakatwerbung. Hier gelte, das eine zu tun und das andere dabei nicht zu lassen. Für die kommenden beiden Jahre sollte sich die Strategie nach Steigers Empfehlung auf vier Ziele fokussieren:
1. Ziel: Frauen gewinnen! Gerade in diesem Bereich hat das Kälte- und Klimahandwerk mit einer „homöopathischen“ Auzubildendenzahl von unter 5 Prozent erheblichen Nachholbedarf. Mit kreativen Posts werde diese Gruppe schon erfolgreich angesprochen und es zeige sich auch, dass die Frauen, die einen Beruf in diesem Feld ergreifen, sehr begeistert davon seien. Das zeige das grundsätzliche Potenzial, hier weiter zu akquirieren.
2. Ziel: Kfzler rüberziehen! Der Kfz-Mechatroniker ist nach wie vor der Favorit bei den meisten Jungs. Im Gegensatz zum Autoschrauber habe die Kälte und Klimabranche viel mehr Abwechslung und Hightech zu bieten – das gelte es den Kfz-Fans mit frechen Kampagnen beizubringen, Neugierige mit plakativen Aussagen und gezielten Hashtags abzuholen.
3. Ziel: TikTok knacken! Für diese Plattform entwickeln Steiger und sein Team gerade ein freches Storytelling-Konzept, das auch kreative Spots für TikTok und Instagram beinhalte.
4. Ziel: Chillventa feiern! Für die wichtigste Branchenmesse „glüht die Agentur schon mal kräftig auf Social Media vor“. Ziel sei es, möglichst viel Publikum auf den BIV-Messestand zu locken.
Schließlich gab Steiger noch einen Einblick auf das, woran die Agentur aktuell arbeitet. Dazu zählen neue Bauzaun-Banner, neue Werbemittel und nicht zuletzt eine Schulpräsentation, um die Branche bereits bei Schulabgängern frühzeitig bekannt zu machen.
Mit diesem Vortrag endete die diesjährige BIV-Mitgliederversammlung.
(OB)