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Der Weg zur Meisterin: Milena über Ausbildung, Prüfung und Zukunft

Karriere in der Kälte-Branche

KältenKlub: Der Meistertitel ist schon eine ziemlich besondere Sache, weil man das nicht einfach mal so von der lockeren Hand wegmacht. Ich bin hier bei der Firma Stulz und neben mir sitzt Milena Böttcher. Wir treffen uns heute, um über das Thema Meistertitel zu reden. Erstmal herzlichen Dank, dass du da bist.

Milena Böttcher: Vielen Dank für die Einladung.

KältenKlub: Sehr gerne. Wir haben dich ja schon ein bisschen begleitet mit den Videos nach der Ausbildung und jetzt gibt es ein zweites Video, weil du den Meistertitel machen wolltest. Jetzt ist es soweit – du hast den Meistertitel abgeschlossen. Wir haben uns ein paar Fragen überlegt. Es geht ein bisschen um Emotionen, aber auch um die Inhalte der Meisterprüfung und der Ausbildung an sich. Mich interessiert zuerst: War von Anfang an geplant, dass du den Meister machen willst? Oder ist das eher spontan entstanden?

Milena Böttcher: Geplant war das tatsächlich überhaupt nicht. Eigentlich war das genauso wie mit der Ausbildung – überhaupt nicht geplant, sondern eher Zufall. In der Berufsschule habe ich erfahren, dass man, wenn man die Ausbildung sehr gut abschließt – ich glaube unter den ersten drei – ein Weiterbildungsstipendium bekommen kann, mit dem ein Teil vom Meister bezahlt wird. Ich hatte meine Zwischenprüfung mit einer Eins abgeschlossen und dachte mir: Vielleicht schaffst du das ja. Am Ende bin ich tatsächlich Landesbeste geworden und habe dieses Stipendium bekommen. Da habe ich gesagt: Dann mache ich den Meister auf jeden Fall, denn ich möchte das nicht verfallen lassen. Das ist ja eine ganze Menge Geld. So bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen.

KältenKlub: Daraus kann man schon mal lernen: Seid gut in eurem Beruf – dann gibt es vielleicht sogar ein Stipendium. Aber du hast den Meister nicht direkt nach der Ausbildung gemacht, sondern erst noch gearbeitet.

Milena Böttcher: Genau. Direkt nach der Ausbildung habe ich erst einmal ein Kind bekommen und dann noch etwa drei Jahre gearbeitet, bevor ich mit dem Meister angefangen habe.

Erst praktische Erfahrungen sammeln, dann den Meister machen.

KältenKlub: Macht es Sinn, den Meister direkt nach der Gesellenprüfung zu machen?

Milena Böttcher: Man kann das machen. Es hat den Vorteil, dass man noch im Lernen drin ist. Aber ich würde es nicht unbedingt empfehlen. Ich bin sehr froh, dass ich noch drei Jahre Berufserfahrung gesammelt habe. Nach der Ausbildung kann man eigentlich noch nicht so viel. Man war noch nicht richtig alleine unterwegs und hat noch nicht so viele schwierige Störungen selbst gelöst. Deshalb würde ich empfehlen, erst einmal Erfahrung zu sammeln und dann die Meisterausbildung zu machen. Dann fällt vor allem der praktische Teil deutlich leichter.

KältenKlub: Das heißt, die eigentliche Ausbildung beginnt im Grunde erst nach der Gesellenprüfung – wenn man im Alltag Probleme lösen muss.

Milena Böttcher: Genau. Den theoretischen Teil kann man wahrscheinlich auch direkt machen. Aber für die praktische Meisterprüfung sind Erfahrungen extrem wichtig. Dort gehört auch eine Störungssuche dazu. Ohne Erfahrung wird das unter Zeitdruck sehr schwierig.

KältenKlub: Wie war das für dich ein oder zwei Wochen bevor du mit der Meisterausbildung angefangen hast? Was ging dir durch den Kopf?

Milena Böttcher: Ursprünglich wollte ich meine Meisterschule in Hamburg machen. Das wäre von Freitag bis Sonntag am Wochenende gewesen. Kurz vorher war ich allerdings plötzlich alleinerziehend und das ging dann nicht mehr. Ich habe dann erfahren, dass ich in Springe einen Onlinekurs machen kann. Der Unterricht ist dabei etwa eine Woche im Monat online. So konnte ich den Meister trotzdem machen. Ich habe mich wahnsinnig gefreut und hatte richtig Lust auf die Schulzeit.

KältenKlub: Man braucht dafür auch eine gewisse Motivation.

Milena Böttcher: Auf jeden Fall. Ich glaube, das ist auch der Unterschied zwischen Azubis und Meisterschülern. Die Leute in der Meisterschule wissen genau, was sie wollen. Das ist nichts, was man mal eben nebenbei macht.

Es ist ein ganz anderes Lernen, weil Du den Meister machen willst!

KältenKlub: Wie unterscheidet sich die Meisterausbildung eigentlich inhaltlich von der Gesellenausbildung? In welche Richtung geht das tiefer oder kommen auch komplett neue Themen dazu?

Milena Böttcher: Die Meisterausbildung schließt so ein bisschen an die Ausbildung an. Also das, was du in der Ausbildung gelernt hast, das vertiefst du nochmal ganz stark. Und vor allem zielt die Meisterausbildung darauf ab, dass du dann später in der Lage bist, dich selbstständig zu machen oder eine Führungsposition zu übernehmen oder in die Planung zu gehen. Also es geht viel, viel tiefer in diesen technischen Bereich, dass du in der Lage bist, Anlagen auszulegen, aber auch vor allem um den wirtschaftlichen Teil. Du musst ja auch in der Lage sein, dich um deine Finanzen zu kümmern, Steuern zu machen und so weiter. In der Meisterausbildung gibt es auch einen Ausbilderteil, dass du dann am Ende in der Lage bist, Azubis auszubilden und das auch darfst.

KältenKlub: Jetzt habe ich mal diese drei Punkte gemerkt. Den technischen Teil, den Ausbilderteil und den wirtschaftlichen Teil. Das heißt also den technischen Teil, kann ich jetzt so verstehen, dass du einfach nicht so an der Oberfläche kratzt wie bei den Gesellen, sondern wirklich ins Detail gehst und auch aufwendigere Anlagen planen kannst oder in der Lage bist, das auszulegen. Das machen die Gesellen nicht?

Milena Böttcher: Gesellen, die lernen das auch, aber nur ganz, ganz kurz und knapp, schwammig, damit man es einmal mitgekriegt hat, wie das überhaupt funktioniert. Aber damit kannst du eigentlich keine richtige Anlage auslegen. Das lernst du wirklich erst in der Meisterschule, was da noch alles zugehört.

KältenKlub: Okay, dieser wirtschaftliche Teil, was ist das genau? Ist das reine Buchführung und Steuergeschichte?

Milena Böttcher: Da geht um Steuern, um Buchhaltung, um alles, was um Unternehmungsführung geht. Man lernt auch ganz viel über Bilanzierung und sowas. Auch wenn du das später eigentlich gar nicht selber machst, sondern dein Steuerberater oder wer auch immer. Aber du musst es ja trotzdem einmal wissen, wie es funktioniert.

KältenKlub: Und das Thema Ausbilder: wie kann ich mir das vorstellen? Geht es um Wissensvermittlung und Menschenführung?

Milena Böttcher: Der Ausbilderschein beinhaltet zwei Themen. Einmal was du gerade erwähnt hast und dann gibt es auch noch eine praktische Prüfung,. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie diese praktische Prüfung ausfallen kann. Ich habe mich dazu entschieden, quasi einen Aufbau zu machen und in der Prüfung kommt dann jemand, der simuliert deinen Azubi und dem erklärst du dann quasi, was du da an deinem Aufbau vorhast. Dann musst du Azubi das nachmachen.

Klar war es eine stressige Zeit, aber es lohnt sich auf jeden Fall!

KältenKlub: Wie lange dauert eine Meisterausbildung?

Milena Böttcher: Unterschiedlich. Das hängt davon ab, ob man sie in Vollzeit oder Teilzeit macht. In Vollzeit kann man sie in unter einem Jahr schaffen. Ich habe den kältetechnischen Teil in etwa anderthalb Jahren gemacht, weil der Unterricht nur eine Woche im Monat war. Teil drei und vier – also Wirtschaft und Ausbilderschein – habe ich in einem dreiwöchigen Crashkurs gemacht. Das war allerdings wirklich sehr hart.

KältenKlub: Wie waren die Wochen vor den Prüfungen?

Milena Böttcher: Sehr stressig. Ich konnte kaum schlafen und habe nur noch gelernt. Dazu kam, dass ich eine kleine Tochter habe. Meine Mutter hat mich zum Glück sehr unterstützt und oft auf sie aufgepasst, damit ich lernen konnte. Trotzdem habe ich teilweise nachts gelernt. Mit meiner Prüfungsangst war das wirklich nicht einfach.

KältenKlub: Was kann man eigentlich mit einem Meistertitel machen?

Milena Böttcher: Im Grunde stehen dir alle Türen offen. Du kannst Anlagen planen, ins Büro gehen, eine Führungsposition übernehmen oder dich selbstständig machen. Außerdem kannst du als Meister selbst ausbilden und damit den Nachwuchs fördern.

KältenKlub: Was kostet so eine Meisterausbildung eigentlich?

Milena Böttcher: Das ist unterschiedlich. Die Schulung und die Prüfungen haben bei mir etwa 17.000 bis 18.000 Euro gekostet. Dazu kamen aber noch Verdienstausfall, Hotelkosten und andere Ausgaben. Insgesamt war ich am Ende bei etwa 40.000 bis 45.000 Euro.

KältenKlub: Hast du noch Tipps für Leute, die überlegen, den Meister zu machen?

Milena Böttcher: Erstens: Sammelt erst einmal Berufserfahrung. Direkt nach der Ausbildung ist man zwar noch im Lernmodus, aber in der Praxis fehlt oft noch die praktische Erfahrung. Zweitens: Sich nicht zu viel Druck machen. Selbst wenn man in der Ausbildung vielleicht nur eine Drei hatte – wenn man wirklich motiviert ist, schafft man das. Der Meister ist ein ganz anderes Lernen. Man macht es freiwillig und weiß genau, warum man es macht. Und informiert euch frühzeitig über die Finanzierungsmöglichkeiten.

KältenKlub: Milena, vielen Dank für das Gespräch. Ich finde es großartig, was du geschafft hast und wünsche dir viel Erfolg für deine Zukunft.

Milena Böttcher: Vielen Dank. DR

Auch als Frau packt man in der Kälte mit an.

Bild: Milena Bötcher

Auch als Frau packt man in der Kälte mit an.
Zwei Gäste bei Stulz: Milena und der olle Rehfeld reden über den Meistertitel.

Bild: KältenKlub

Zwei Gäste bei Stulz: Milena und der olle Rehfeld reden über den Meistertitel.
Geschafft: Der Meistertitel, die höchste Auszeichnung im Handwerk

Bild: Milena Bötcher

Geschafft: Der Meistertitel, die höchste Auszeichnung im Handwerk

Die VIER Säulen der Meisterausbildung

Teil I: Fachpraxis (Praktischer Teil)

Der praktische Teil der Meisterprüfung bildet das Herzstück der Ausbildung. Hier zeigen angehende Meister, dass sie in der Lage sind, komplexe kältetechnische Projekte eigenständig zu planen, umzusetzen und zu bewerten. 

Typischerweise umfasst dieser Teil eine Projektarbeit bzw. betriebliche Projektarbeit, bei der eine kältetechnische Anlage geplant oder analysiert sowie inbetrieb genommen wird. Dazu gehört die Auswahl und Dimensionierung aller relevanten Komponenten sowie die Berücksichtigung von Energieeffizienz, Sicherheit und Umweltaspekten. 

Ein wesentlicher Bestandteil ist die Erstellung einer vollständigen technischen Dokumentation. Diese enthält unter anderem Berechnungen, Schaltpläne, Stücklisten sowie Prüf- und Messprotokolle (z. B. Dichtheitsprüfung, Inbetriebnahmeprotokoll). Im anschließenden Fachgespräch müssen die getroffenen Entscheidungen begründet und die Anlage fachlich bewertet werden. Auch Themen wie Fehlersuche, Optimierungspotenziale und sicherheitsrelevante Aspekte spielen hier eine zentrale Rolle.

Teil II: Fachtheorie (Technik)

Im theoretischen Teil wird das Wissen aus der Gesellenausbildung deutlich vertieft und auf ein Planungs- und Systemniveau gehoben.

Während Gesellen vor allem montieren, warten und Störungen beheben, lernen Meister, komplette kältetechnische Anlagen eigenständig zu konzipieren und auszulegen. Dazu gehören vertiefte thermodynamische Grundlagen wie Kreisprozesse, log p‑h‑Diagramme und Leistungszahlen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Berechnung von Kälte- und Heizlasten sowie die Dimensionierung zentraler Komponenten wie Verdichter, Verflüssiger, Verdampfer, Expansionsorgane und Rohrleitungen. Auch Themen wie Druckverluste, Überhitzung, Unterkühlung und Massenströme werden detailliert behandelt.

Die Planung kompletter Systeme spielt eine zentrale Rolle – von gewerblichen Kälteanlagen über Industriekälte bis hin zu Klimasystemen und Wärmepumpen. Dabei werden Energieeffizienz, Teillastverhalten und Anlagenoptimierung gezielt betrachtet.

Ein wichtiger Bestandteil ist der Umgang mit modernen und natürlichen Kältemitteln wie CO₂ (transkritische Systeme), Ammoniak (NH₃) und Kohlenwasserstoffen. In diesem Zusammenhang werden auch Sicherheitsanforderungen, Explosionsschutz, die Druckgeräterichtlinie sowie die F‑Gase‑Verordnung behandelt.

Ergänzt wird der Bereich durch Mess‑, Steuer‑ und Regelungstechnik, Elektrotechnik sowie Grundlagen der Gebäudeautomation. Dazu gehören Regelstrategien, Sensorik, Aktorik und die Analyse von Anlagenverhalten.

Auch Normen und Regelwerke (z. B. DIN EN 378, VDI-Richtlinien) sowie Dokumentationspflichten spielen eine wichtige Rolle.

Darüber hinaus wird die systematische Fehlersuche auf einem deutlich höheren Niveau trainiert: komplexe Anlagen analysieren, Messwerte interpretieren und nachhaltige Lösungen entwickeln – auch unter Prüfungsbedingungen.

Teil III: Wirtschaft und Recht

Dieser Teil vermittelt die Grundlagen für die wirtschaftliche und rechtssichere Führung eines Betriebs oder für leitende Positionen im Unternehmen.

Ein zentraler Punkt ist die Kalkulation von Angeboten und Projekten. Dabei werden Materialkosten, Lohnzeiten, Gemeinkosten und Gewinnzuschläge berücksichtigt, um wirtschaftlich tragfähige Preise zu ermitteln.

Die Kostenrechnung dient dazu, betriebliche Kosten transparent zu machen – etwa für Personal, Fahrzeuge, Werkzeuge oder Energie. Daraus wird unter anderem der Stundenverrechnungssatz abgeleitet.

Zusätzlich werden Grundlagen der Buchführung behandelt, wie Einnahmen‑Überschuss‑Rechnung, Gewinn‑ und Verlustrechnung sowie betriebliche Kennzahlen. Ziel ist es, die wirtschaftliche Lage eines Betriebs einschätzen zu können.

Im Bereich Steuern werden grundlegende Kenntnisse zu Umsatzsteuer, Einkommensteuer und betrieblichen Abgaben vermittelt.

Ein besonders wichtiger Bestandteil sind rechtliche Grundlagen, etwa Vertragsrecht (BGB, VOB), Gewährleistung, Haftung sowie Datenschutz. Diese Themen sind entscheidend für den sicheren Umgang mit Kundenaufträgen und Geschäftsbeziehungen.

Ergänzt wird dieser Bereich durch Inhalte zur Unternehmensführung: Personalplanung, Mitarbeiterführung, Arbeitsrecht sowie die Organisation von Baustellen, Serviceeinsätzen und Wartungsverträgen.

Zudem werden die Themen Marketing, Auftragsbeschaffung und Kundenkommunikation behandelt.

Teil IV: Ausbildereignung (AEVO)
Der AEVO-Teil befähigt zur Ausbildung von Fachkräften. Vermittelt werden rechtliche Grundlagen wie BBiG, Ausbildungsordnung sowie Rechte und Pflichten von Ausbildern und Auszubildenden, ergänzt durch Jugendarbeitsschutz und Arbeitssicherheit.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Planung der Ausbildung im Betrieb anhand eines strukturierten Ausbildungsplans.

Im pädagogischen Teil geht es um die verständliche Vermittlung von Fachwissen, z. B. mit der Vier-Stufen-Methode, sowie um Lernzieldefinition und didaktische Planung.

Weitere Inhalte sind Kommunikation, Motivation, Feedback, Konfliktlösung, Lernzielkontrollen und Prüfungsvorbereitung.

Die Prüfung besteht aus einer praktischen Ausbildungssituation mit anschließendem Fachgespräch. Mit dem erfolgreichen Abschluss dieses Teils erhält man den Ausbilderschein und ist berechtigt, im Betrieb offiziell auszubilden.

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