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erhält die Josef-Biber-Verdienstnadel.
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Mit einer Schweigeminute für verstorbene Mitglieder, insbesondere für Heinz Jürgensen, eröffnete VDKF-Präsident Karl-Heinz Thielmann die Mitgliederversammlung in Münster. Der Verband stellte dabei nicht nur Zahlen und Projekte vor, sondern diskutierte vor allem die zentralen Herausforderungen der Branche: politische Unsicherheiten, zunehmende Regulierung und den Transformationsdruck hin zu klimafreundlicher Technik.
Kritik an Regulierung und politischer Unsicherheit
Dr. Thomas Perkmann, Vorstandsvorsitzender der Westfalen-Gruppe, zeichnete in seinem Grußwort ein klares Bild: Unternehmen investieren zunehmend „auf Sicht“. Hintergrund seien eine aus seiner Sicht überbordende Regulierung sowie wechselhafte politische Rahmenbedingungen. Gerade langfristige Investitionen würden dadurch erschwert. Zugleich betonte er, dass sich Unternehmen wie die Westfalen AG aktiv auf den Weg zur Dekarbonisierung gemacht hätten – etwa durch Investitionen in Elektromobilität, Wärmepumpen und alternative Kältemittel.
PFAS, F-Gase und politische Weichenstellungen
Ein zentrales Thema der Versammlung war die PFAS-Regulierung auf EU-Ebene. Laut aktuellem Stand befinden sich die Verfahren weiterhin in der Bewertungsphase. Eine endgültige politische Entscheidung wird frühestens in den kommenden Jahren erwartet. Für die Kältebranche bleibt die Situation angespannt: Trotz intensiver Verbandsarbeit sind weitreichende Einschränkungen weiterhin möglich.
Der VDKF spricht sich dafür aus, F-Gase aus dem REACH-Verfahren herauszunehmen und weiterhin über die bestehende F-Gase-Verordnung zu regulieren. Dies würde längere Übergangsfristen ermöglichen. Gleichzeitig wurde deutlich: Die Branche muss unabhängig davon handeln. Thielmann appellierte, alternative Kältemittel bereits heute verstärkt einzusetzen und vorhandene F-Gase konsequent zu recyceln.
Kreislaufwirtschaft und Kältemittel-Recycling im Fokus
Bereits auf der vorgelagerten Fachtagung wurde die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft betont. Dennis Frieske, BVKMW (Bundesverband Kältemittewirtschaft)
wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die sortenreine Rückgewinnung von Kältemitteln entscheidend für eine wirtschaftliche Aufbereitung ist. Herausforderungen bestehen insbesondere bei Verunreinigungen und Mischungen. Klar ist: Ohne funktionierende Recyclingstrukturen wird die Versorgung mit Kältemitteln künftig schwieriger.
Neue Vorgaben bei Zertifizierungen
Mit Inkrafttreten der novellierten Chemikalien-Klimaschutz-Verordnung ändern sich auch die Anforderungen an Fachkräfte. Künftig müssen Zertifizierungen nicht nur für fluorierte, sondern für alle Kältemittel vorliegen. Bestehende Sachkundenachweise müssen bis März 2029 aktualisiert werden. Positiv für die Praxis: Auffrischungskurse können bei vorhandener Erfahrung weitgehend online durch eine Selbsterklärung erfolgen.
Verbandsarbeit, Wachstum und politische Präsenz
Geschäftsführer Marcel Rehder berichtete über ein aktives Jahr 2025. Der VDKF war bei 41 Präsenzterminen und 26 Videokonferenzen vertreten. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde ausgebaut, unter anderem mit 13 Pressemitteilungen und Fachbeiträgen in reichweitenstarken Medien.
Ein wichtiger Schritt war die stärkere politische Vernetzung: Gemeinsam mit anderen TGA-Verbänden betreibt der VDKF nun eine Repräsentanz im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin. Ziel ist es, die Interessen der Branche frühzeitig in politische Entscheidungsprozesse einzubringen.
Zudem wurden neue Angebote geschaffen, darunter die VDKF-Akademie, die Zukunftswerkstatt für Nachwuchsführungskräfte sowie der Ausbau des Dokumentenservices. Die Mitgliederzahl liegt mittlerweile bei über 1000, mit weiter steigender Tendenz.
Ehrungen und personelle Veränderungen
Im Rahmen der Versammlung wurden langjährige Mitglieder und Persönlichkeiten der Branche geehrt. Die Josef-Biber-Verdienstnadel ging an Dr.-Ing. Rainer M. Jakobs für sein jahrzehntelanges Engagement.
Mit Kai-Michael Kuder und Reinhard Jeschkeit verabschiedete der Verband zwei prägende Vizepräsidenten. Jeschkeit blickte in seiner Rede auf bewegte Zeiten zurück und betonte: „Ein Verlierer ist nur der, der liegen bleibt.“
Bei den anschließenden Wahlen wurden Lars Kratzenberg und Markus Freund als neue Vizepräsidenten gewählt.
Klimaschutz und Realität im Gebäudesektor
Ein Fachvortrag von Dr.-Ing. Christian Vering machte deutlich, wo die größten Hebel für CO₂-Einsparungen liegen: insbesondere in der Wärmeerzeugung und im Gebäudebestand. Wärmepumpen spielen dabei eine Schlüsselrolle; auch wenn laut Studien derzeit mehr als die Hälfte der Anlagen überdimensioniert ist.
Mit Blick auf die kommunale Wärmeplanung, die ab dem 30. Juni 2026 schrittweise greift, riet Vering zu frühzeitiger Information und pragmatischen Entscheidungen.
Neue Risiken durch „Greenwashing“-Regeln
Zusätzlich wurde auf die kommende EU-Richtlinie gegen irreführende Umweltaussagen hingewiesen. Ab September 2026 müssen Aussagen wie „klimafreundlich“ oder „natürliches Kältemittel“ klar belegt und präzisiert werden – andernfalls drohen Abmahnungen und Bußgelder.
Branche vor großen Aufgaben
Die Mitgliederversammlung zeigte deutlich: Die Kälte- und Klimabranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Neben regulatorischem Druck und technologischer Transformation bleibt insbesondere der Fachkräftemangel eine zentrale Herausforderung.
Die nächste VDKF-Mitgliederversammlung findet am 9. April 2027 in Köln statt.
(OB)