Dieter Degner, Spezialist für Abluft-Wärmepumpen bei der Qvantum Energietechnik GmbH, Kulmbach.
Abluftwärmepumpen sind in Skandinavien Standard – in Deutschland jedoch oft unterschätzt. Jedoch können aktuelle Modelle wie die QE von Qvantum eine Alternative im Neubau und in manchen Fällen auch für die Modernisierung sein. Vorher aber müssen bestehende Vorurteile geklärt und beseitigt werden.
Bisher fragten sich viele Beteiligte – nicht nur Installateure – ob man mit einer Abluftwärmepumpe wirklich ein ganzes Haus heizen kann oder ob sie lediglich eine Nischenlösung sei. Tatsächlich konnten solche Geräte in der Vergangenheit in Kombination mit dem damals gültigen Baustandard oft nicht die komplette Heizlast decken.
Heute ist das anders, denn die Technik hat sich weiterentwickelt und die Gebäude sind in der Regel besser gedämmt. Mit Geräten wie der QE von Qvantum ist es nun möglich, gut gedämmte Neubauten vollständig zu versorgen. Die Abluft-Wärmepumpe übernimmt dabei Heizung, Warmwasserbereitung und Lüftung mit nur einem Gerät. Jedoch nur dann, wenn das Gebäude tatsächlich zum System passt: In einem energetisch unsanierten Altbau stößt eine Abluftwärmepumpe an ihre Grenzen, im Neubau bis ca. 180 m² Fläche hingegen kann sie eine Komplettlösung sein.
Zeit also, wichtige Fragen zu stellen und beantworten. Was Dieter Degner, Spezialist für Abluft-Wärmepumpen bei Qvantum, übernimmt.
KK:Herr Degner, in Skandinavien sind Abluftwärmepumpen erfolgreich. Was sind die Gründe dafür und warum können solche Wärmepumpen auch in Deutschland funktionieren?
Dieter Degner:In Schweden oder Norwegen werden seit den 1980er-Jahren Zehntausende Häuser mit Abluftwärmepumpen ausgestattet. Der Grund war eine für die damalige Zeit sehr ambitionierte Dämmung der Gebäudehülle und die zwingende gesetzliche Vorgabe einer mechanischen Lüftungsanlage. In solchen Gebäuden passt die Technik.
Erst mit der Wärmeschutzverordnung von 1995 erreichte Deutschland annähernd den schwedischen Baustandard von 1980. Durch EnEV und GEG sind heute nahezu alle Neubauten für Abluft-Wärmepumpen geeignet. Auch energetisch sanierte Bestandsgebäude bieten Einsatzmöglichkeiten. Denn auch in Deutschland sind geringer Platzbedarf, hohe Effizienz und einfache Installation zunehmend gefragt, was Stärken der Abluft-Wärmepumpe sind.
KK:Vielfach wird die Frage gestellt: „Kann man mit Luft überhaupt heizen?“ Bitte erläutern Sie das Prinzip der Abluft-Wärmepumpe.
Dieter Degner: Eine Abluftwärmepumpe nutzt die warme Luft aus Räumen wie Bad oder Küche, um daraus Energie für Heizung und Warmwasser zu gewinnen. Die Abluft strömt über den Verdampfer, der ihr Wärme entzieht; anschließend wird sie als Fortluft nach außen geleitet. Technisch ist die Abluft-Wärmepumpe also eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe mit dem Vorteil, dass die Abluft ganzjährig eine nahezu gleichbleibend hohe Temperatur und mehr Feuchtigkeit aufweist.
Die Abluft-Wärmepumpe kann PV-Strom oder variable Stromtarife nutzen.
KK:Ein Vorurteil lautet: „Durch die Zuluft zieht kalte Luft ins Haus.“ Was entgegnen Sie Kritikern, die um den Wohnkomfort fürchten?
Dieter Degner: Dieses Bild hält sich tatsächlich hartnäckig. Fakt aber ist: Die kaum spürbare Zuluft wird kontrolliert über Außenluftdurchlässe in der Wand oder im Rollladenkasten den Wohnräumen zugeführt und vermischt sich sofort mit der Raumluft. Unangenehme Zugluft ist in der Regel nicht wahrnehmbar. Das System ist so ausgelegt, dass der Luftaustausch gleichmäßig und sanft erfolgt. Entscheidend dafür ist jedoch die richtige Planung der Luftführung. In diesem Fall ist die Frischluftzufuhr weder kalt noch störend, sondern trägt zu einem gesunden Wohnklima bei.
KK: Ebenso verbreitet ist die Sorge, dass bei einer Abluft-Wärmepumpe der elektrische Heizstab ständig läuft und so die Heizkosten hochtreibt. Wie sieht es in der Praxis aus?
Dieter Degner: Wie bei klassischen Luft-/Wasser-Wärmepumpen arbeiten auch Abluft-Wärmepumpen monoenergetisch. Der Heizstab dient lediglich zur Spitzenlastabdeckung und als Backup – nicht aber als temporär hauptsächliches Heizsystem. Er wird nur bei extremen Bedingungen aktiviert, etwa bei sehr niedrigen Außentemperaturen oder hohem Warmwasserbedarf. Bei korrekt dimensionierten Geräten im Neubau liegt der Bivalenzpunkt unter – 3 °C. Die Abluft-Wärmepumpe übernimmt über 95 Prozent der Jahresheizarbeit, was die Betriebskosten im Rahmen hält.
KK: Für welche Gebäudetypen ist die Abluft-Wärmepumpe besonders geeignet und wo liegen die Grenzen?
Dieter Degner: Abluft-Wärmepumpen wie die QE von Qvantum eignen sich für Neubauten gemäß GEG 2024 – etwa Einfamilien-, Reihen- und kompakte Mehrfamilienhäuser. Auch sanierte Bestandsgebäude ab Baujahr 2002 oder mit EE70-Standard sind geeignet.
Dann kommen Vorteile wie kompakte Bauweise, effizienter Betrieb und das All-in-One-Konzept zum Tragen. Ihre Grenzen erreicht die Abluft-Wärmepumpe bei Heizlasten über 6 kW bzw. 40 W/m² und Wohnflächen über 180 m², was z.B. in schlecht gedämmten Altbauten vorkommt. Dort reicht die Abluft als Energiequelle nicht mehr aus.
Denkbar ist auch der Einsatz einer aktuellen Abluft-Wärmepumpe als Ersatzgerät: Denn in den 2000er-Jahren wurden Modelle installiert, die in puncto Effizienz und Technik nicht mehr zeitgemäß oder defekt sind.
Für Gebäude mit vorhandener Lüftungsverrohrung gibt es ein Zusatzmodul, das Abluft gezielt zuführt und Zuluft vorgewärmt einbläst – ohne große bauliche Änderungen. Auf diese Weise ist eine kosteneffiziente Lösung möglich, ohne die vorhandene Konzeption ändern zu müssen.
KK: Worauf muss bei der Dimensionierung einer Abluft-Wärmepumpe geachtet werden, damit die Anlage effizient arbeitet?
Dieter Degner: Die Heizlastberechnung ist dafür der wichtigste Faktor. Wird zu klein dimensioniert, läuft der Heizstab häufiger. Zudem sollte man auf eine konsequent niedrige Vorlauftemperatur achten, weil das die Effizienz noch einmal deutlich steigert.
Grenzen der Abluft-Wärmepumpe sind Heizlasten über 6 kW bzw. 40 W/m² und Wohnflächen über 180 m².
KK:Wie aufwendig ist die Installation einer Abluft-Wärmepumpe im Vergleich zu einer klassischen Luft-/Wasser-Wärmepumpe?
Dieter Degner: Deutlich einfacher! Beispielsweise ist das Modell QE von Qvantum ein All-in-One-Gerät mit Wärmepumpe, Speicher, Lüftung und Regelung – alles in einem kompakten Gehäuse für die Innenaufstellung. Es gibt keine Außeneinheit, keine Abstandsüberprüfungen, keine Außenfundamente und keine Wanddurchführungen.
Der nach außen wirkende Schall ist gedämmt, sodass die Anforderungen der TA Lärm auch in dicht besiedelten Gebieten in der Regel eingehalten werden. Schnittstellenprobleme entfallen. Für die Installation bedeutet das: weniger Arbeitszeit, weniger Abstimmung mit anderen Gewerken und ein schlanker Einbauprozess.
KK: Welche hydraulischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein – etwa bei Vorlauftemperaturen oder Heizflächen?
Dieter Degner:Wie bei allen Wärmepumpensystemen gilt: Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Flächenheizungen sind – wenn möglich – zu bevorzugen. Aber auch mit Heizkörpern funktioniert die Abluft-Wärmepumpe zuverlässig.
KK: Mit welcher Geräuschentwicklung muss man bei einer Abluft-Wärmepumpe im Alltagsbetrieb rechnen?
Dieter Degner: Solche Wärmepumpen arbeiten sehr leise. Ihre Geräuschentwicklung ist mit der einer Spülmaschine vergleichbar. Da die Wärmepumpe meist ohnehin im Hauswirtschaftsraum steht, ist es im Alltag praktisch nicht wahrnehmbar. Gerade deshalb ist eine Abluft-Wärmepumpe auch für eng bebaute Wohngebiete eine Alternative zur klassischen Luft-/Wasser-Wärmepumpe mit Außeneinheit. Denn der nach außen wirkende Schall wird im Kanalsystem gedämmt und die Anforderungen der TA Lärm werden auch in dicht besiedelten Gebieten in der Regel eingehalten.
Unangenehme Zuluft ist in der Regel nicht wahrnehmbar.
KK: Und wie verhält es sich mit der Effizienz im Winter, wenn die Ablufttemperaturen der Wohnungen niedriger sind?
Dieter Degner:Die Ablufttemperatur hängt nicht von der Außentemperatur ab, sondern von der Raumluft. Selbst im Winter liegt diese bei 20 bis 22 °C. Deshalb hat die Abluft-Wärmepumpe auch in der kalten Jahreszeit stabile Betriebsbedingungen und arbeitet weiterhin effizient.
KK: Ein wichtiges Argument für die Abluft-Wärmepumpe ist der Komfort. Welche Rolle spielt die integrierte Lüftung dabei?
Dieter Degner:Eine große Rolle. Sie sorgt für kontinuierlich frische Luft und einen hygienischen Luftaustausch. Gleichzeitig werden die Lüftungswärmeverluste vermindert, weil viel Energie zurückgewonnen wird. Für Bewohner Bewohner heißt das: saubere Luft, angenehmes Raumklima – und trotzdem niedrige Energiekosten.
KK:Wie hoch ist der Wartungsaufwand einer Abluft-Wärmepumpe?
Dieter Degner: Am Gerät selbst ist der Wartungsaufwand gering: Filterwechsel, Sichtkontrolle, Funktionsprüfung und Auswertung des Datenlogs – mehr ist in der Regel nicht nötig. Das spart Zeit und Kosten im Service und macht die Technik für Bauherren attraktiv. Zusätzliche Wartungsarbeiten am Heizkreis und der Trinkwasseranlage entsprechen dem üblichen Aufwand wie bei anderen Wärmeerzeugern.
KK:Wo liegen die Investitions- und Betriebskosten von Abluft-Wärmepumpen im Vergleich zu Luft/Wasser-Wärmepumpen?
Dieter Degner:Diese Kosten der Abluft-Wärmepumpen sind günstig, weil mehrere Geräte von nur einem System ersetzt werden: Wärmepumpe, Warmwasserspeicher, Lüftung, Regelung. Das reduziert die Gesamtkosten spürbar. Im Betrieb sind Abluft-Wärmepumpen wie die QE wegen ihrer Effizienz ebenfalls günstig – und sie sparen zusätzlich Technikfläche im Haus.
Die Abluft-Wärmepumpe hat auch im Winter stabile Betriebsbedingungen.
KK: Welche Förderprogramme können Bauherren derzeit in Anspruch nehmen?
Dieter Degner: Abluft-Wärmepumpen wie die QE erfüllen die Anforderungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). In vielen Projekten macht die Förderung die Anlage noch wirtschaftlicher.
KK:Strompreise sind derzeit ein sensibles Thema. Wie ist erreichbar, dass Abluft-Wärmepumpen wie die QE auch langfristig wirtschaftlich bleiben?
Dieter Degner: Qvantum setzt hier auf Flexibilität: Die QE ist PV-ready, SG-ready und Flextarif-fähig. Sie kann also Strom aus der PV-Anlage nutzen oder sich an variablen Stromtarifen orientieren. Das sind Möglichkeiten, die Betriebskosten nachhaltig zu reduzieren.
KK:Wo sehen Sie die Abluft-Wärmepumpe in fünf Jahren?
Dieter Degner:Wegen der im Interview genannten Vorzüge sehen wir die Abluftwärmepumpe zukünftig in Deutschland dort, wo sie in Skandinavien schon heute steht: als Standardlösung im Neubau.
KK:Herr Degner, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Beispielsweise in Hauswirtschaftsräumen kann die Abluft-Wärmepumpe QE installiert werden und dort gleich die erzeugte Abwärme nutzen.
Bild: Qvantum
Funktionsweise der Abluft-Wärmepumpe, hier mit dezentraler Luftansaugung über Außenluftdurchlässe (ALD).
Bild: Qvantum
Aufbau und Abmessungen der Abluft-Wärmepumpe QE: 1 = Lüftungs- und Wärmepumpeneinheit, 2 = Regelung für Raumtemperatur, Warmwassermenge und Lüftung, 3 = Pufferspeicher, 4 = Elektroschaltkasten, 5 = Hydraulikeinheit mit Ausdehnungsgefäß, Umschaltventilen, Heizwasserpumpe und Frischwasserstation.
Bild: Qvantum
So setzt sich die gesamte Heizleistung der Abluftwärmepumpe zusammen.
Leitfaden zur Abluft-Wärmepumpe
Wie funktioniert eine Abluft-Wärmepumpe eigentlich genau? Wo liegen ihre Grenzen – und warum ist sie für viele Neubauten und Sanierungen eine Alternative zu klassischen Luft-/Wasser-Systemen? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt der „Leitfaden Abluftwärmepumpe“ von Qvantum. Der praxisnahe Ratgeber richtet sich an Heizungsinstallateure, TGA-Fachplaner und Architekten und kann nach Anmeldung unter www.qvantumize.de/qvantum-qe heruntergeladen werden.
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