Airflow
Im Mannheimer Kino „Planken Lichtspiele“ hat jeder Saal ein eigenes Lüftungsgerät. Eine Vierleiter-WP heizt und kühlt, im Brandfall entraucht das Abluftnetz.
Im Mai 2023 schloss das Cineplex an Mannheims bekanntester Einkaufsstraße. Seitdem haben die Betreiber der neuen Planken Lichtspiele Filmsäle und Aufenthaltsbereiche erneuert. Die Inbetriebnahme der Lüftungstechnik erfolgte 2025. Für die technische Gebäudeausrüstung war das Bestandsgebäude anspruchsvoll: Es verfügt über keinerlei Installationsschächte, und die kompakt geplanten Säle bieten nur wenig Raum für Technik.
Als Versammlungsstätte mit hoher Personendichte verlangt das Kino zudem eine präzise Luftführung und Luftqualitätsregelung. Bei der Führung durch Brandabschnitte und Fluchtwege waren außerdem brandschutztechnische Vorgaben zu beachten. Sämtliche Lüftungskanäle verlaufen deshalb über das Dach und entlang der Außenfassade und werden von dort in die einzelnen Nutzungsbereiche eingebracht. Die Planung übernahm die IGV Ingenieure GmbH, die Lüftung führte Kiefer Klimatechnik aus Stuttgart aus.
Eigene Geräte für jede Zone
Statt einer zentralen Großanlage erhielten jeder Kinosaal, die Foyerbereiche und die Personalumkleiden eigene Lüftungsgeräte mit separaten Kanälen – das vereinfacht das Kanalnetz und die Regelung. Weil die Funktionen in die Geräte integriert sind, kann weitgehend auf Volumenstromregler und Nachheizregister verzichtet werden. Jede Zone wird einzeln bedarfsgerecht betrieben. Das sorgt für stabile Raumklimabedingungen bei gleichzeitig hoher Energieeffizienz.
Für Säle und Foyers kommen wetterfeste, liegende Außengeräte der Serie Duplex Multi Eco-N zum Einsatz. Ihre Luftleistung liegt je nach Baugröße zwischen 1.550 und 10.870 m³/h. Für die Umkleiden im 4. OG sind zwei Geräte des Typs Duplex 370 EC5 vorgesehen. Airflow gibt für die Geräte einen Wärmerückgewinnungsgrad von bis zu 93 % an. Heiz- und Kühlregister sind integriert. Damit bieten sie optimale Bedingungen für die Kombination mit einer Wärmepumpe. Insgesamt zehn Lüftungsgeräte sowie die Wärmepumpe stehen auf einer bauseitigen Stahl-Unterkonstruktion auf dem Dach. Wegen des eingesetzten Kältemittels Propan (R290) musste dabei ein Mindestabstand eingehalten werden.
Zuluft strömt unter den Sitzen ein
In den sieben Kinosälen gelangt die Zuluft über einen Druckboden unterhalb der Sitzpodeste und über Auslässe unter den Sitzen in den Aufenthaltsbereich. Abgesaugt wird im Deckenbereich. Die so entstehende Strömung von unten nach oben folgt dem thermischen Auftrieb und soll eine gleichmäßige Luftverteilung bei sehr geringer Luftgeschwindigkeit gewährleisten. Da die Säle ausschließlich über die Lüftung temperiert werden, sind dort keine weiteren Wärmeabgabesysteme nötig. Bei den knappen Platzverhältnissen ist das ein Vorteil.
Airflow
Die zentrale Luft-Wasser-Wärmepumpe ist auf dem Dach mit den Heiz- und Kühlregistern der einzelnen Geräte verbunden. Dank der Vierleiter-Ausführung kann sie gleichzeitig heizen und kühlen. Das ist etwa in der Übergangszeit relevant, wenn voll besetzte Säle auf der Südseite gekühlt werden müssen, während auf der Nordseite Wärmebedarf besteht.
CO₂-geführte Regelung
Die integrierte Gerätesteuerung regelt nach CO₂-Konzentration und Temperatur. Die Luftmenge wird automatisch so angepasst, dass die CO₂-Konzentration konstant unter etwa 1.000 ppm bleibt. Reicht die Kühlleistung über die Zulufttemperatur nicht aus, erhöht das System automatisch die Luftmenge. In der Zuluft sind Filter der Klasse ePM10 50 % (vormals F7) eingesetzt, in der Abluft Filter der Klasse ePM1 55 % (vormals M5). Über eine Web-App lassen sich alle Geräte überwachen und steuern. Zeitprogramme starten die Lüftung mehrere Stunden vor Vorstellungsbeginn, damit beim Einlass stabile Raumkonditionen herrschen. Betreiber und Planer bezeichnen den Betrieb seit der Inbetriebnahme als äußerst stabil. Sowohl Temperatur als auch Luftqualität bewegen sich dauerhaft im gewünschten Bereich.
Abluftnetz als Entrauchungskanal
Nach der Versammlungsstättenverordnung müssen die Kinosäle und die innenliegenden Foyers mechanisch entraucht werden. Dafür wurde das Abluftkanalnetz zugleich als Entrauchungskanal ausgeführt. Im Brandfall führen separate Entrauchungsventilatoren die Rauchgase über das Dach ab, und Jalousieklappen öffnen automatisch für die Außenluftnachströmung. Ausgelegt ist die Entrauchung auf 36 m³/h je m2 Grundfläche und einen Betrieb über 30 min bei 300 °C Rauchgastemperatur. Durch die Doppelnutzung des Kanalnetzes ließ sich nach Angaben von Airflow der technische und räumliche Aufwand deutlich reduzieren.
Airflow
Maßgeschneiderte Technik für komplexe Rahmenbedingungen
Die Planken Lichtspiele zeigen, wie sich anspruchsvolle Bestandsgebäude mit moderner Lüftungstechnik effizient ausstatten lassen. Die Kombination aus dezentralem Konzept, leistungsfähigen Airflow Lüftungsgeräten und intelligenter Regelung sorgt für ein stabiles Raumklima bei zugleich wirtschaftlichem Betrieb. Gleichzeitig konnten die engen baulichen Rahmenbedingungen eines innerstädtischen Bestandsobjekts ebenso berücksichtigt werden wie hohe Anforderungen an Brandschutz und Energieeffizienz. ■
Quelle: Airflow / ml