Wir treffen uns bei Johnson Controls in Köln Dellbrück und haben durch Zufall die Lena wiedergesehen. Ein Fall für ein Video.
Frauen sind im Kälteanlagenbauer-Handwerk noch immer eine Minderheit – dabei bietet der Beruf spannende Aufgaben, hervorragende Karrierechancen und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Lena Grabowsky zeigt, wie erfolgreich dieser Weg sein kann. Von der Ausbildung zur Mechatronikerin für Kältetechnik über den Meistertitel bis hin zur Ausbilderin und zum Elektrotechnik-Studium hat sie bereits viele Stationen durchlaufen. Im Gespräch mit dem KältenKlub berichtet sie von ihrem Werdegang, ihren Erfahrungen als Frau im Handwerk, den Herausforderungen und Chancen der Branche sowie den vielfältigen Karrierewegen, die der Beruf eröffnet.
KältenKlub: Lena, schön, dass du dir Zeit nimmst. Erzähl doch einmal: Wie bist du zur Kältetechnik gekommen?
Lena Grabowsky: Dass ich ins Handwerk möchte, wusste ich eigentlich schon als Kind. Ich bin immer meinem Vater hinterhergelaufen, wenn er etwas repariert hat, und hatte meinen eigenen Werkzeugkasten dabei. Als meine Eltern eine Klimaanlage bekommen haben, durfte ich den Monteuren über die Schulter schauen. Das hat mich so fasziniert, dass ich später ein Praktikum bei genau dieser Firma gemacht habe. Danach stand für mich fest: Das ist mein Beruf.
KältenKlub: Was hat dich an der Kältetechnik besonders begeistert?
Lena Grabowsky: Die Vielseitigkeit. Man hat Elektrotechnik, Metallbearbeitung, Löten und chemische Zusammenhänge rund um Kältemittel. Genau diese Mischung fand ich spannend.
KältenKlub: Wo hast du deine Ausbildung gemacht?
Lena Grabowsky: Bei der Firma Söffing in Düsseldorf, die inzwischen nach Hilden umgezogen ist. Dort habe ich auch schon vor der Ausbildung mehrere Praktika absolviert.
KältenKlub: Nach der Ausbildung bist du dort geblieben?
Lena Grabowsky:Ja. Ich habe zunächst als Kundendiensttechnikerin gearbeitet und bei Bedarf auch in der Montage unterstützt. Während der Corona-Zeit habe ich mich dann entschieden, berufsbegleitend den Meister zu machen.
Meisterschule direkt nach der Lehre
KältenKlub: Wie lange lagen Gesellenprüfung und Meisterschule auseinander?
Lena Grabowsky: Nur etwa ein halbes Jahr. Ich habe meine Abschlussprüfung im Sommer abgelegt und im November mit dem Meisterkurs am IKKE in Duisburg begonnen.
KältenKlub: War diese zusätzliche Praxiserfahrung wichtig?
Lena Grabowsky: Absolut. Bis zum Abschluss des Meisters habe ich insgesamt rund drei Jahre weiter praktisch gearbeitet. Diese Zeit war sehr wertvoll, denn Erfahrung lässt sich nicht durch Theorie ersetzen.
KältenKlub: Hattest du damals schon konkrete Karrierepläne?
Lena Grabowsky: Eigentlich wollte ich irgendwann Berufsschullehrerin werden. Deshalb war der Meister zunächst eher eine zusätzliche Qualifikation. Später habe ich aber gemerkt, dass mir die Praxis zu wichtig ist, um ausschließlich im Schuldienst zu arbeiten.
KältenKlub: Trotzdem bist du anschließend Ausbilderin geworden.
Lena Grabowsky: Genau. Nach meiner Meisterprüfung habe ich am IKKE als Ausbilderin angefangen und dort Umschüler sowie Meisterschüler betreut. Gleichzeitig habe ich Elektrotechnik studiert, weil mich dieses Thema schon während der Meisterschule besonders interessiert hat.
Erfahrungen als Frau auf der Baustelle
KältenKlub: Heute arbeitest du bei Johnson Controls. Wie kam es dazu?
Lena Grabowsky: Das hatte vor allem private Gründe. Ich bin ins Oberbergische gezogen und habe nach einer passenden beruflichen Perspektive in der Region gesucht. So bin ich schließlich bei Johnson Controls in Köln gelandet.
KältenKlub: Du bist eine der wenigen Frauen mit Meistertitel in der Kältetechnik. Hast du auf deinem Weg negative Erfahrungen gemacht?
Lena Grabowsky: Mit Kollegen eigentlich nie. Der Umgang war immer respektvoll. Manchmal hatte ich allerdings das Gefühl, dass Frauen etwas mehr leisten müssen, um die gleiche Anerkennung zu bekommen. Aber grundsätzlich habe ich sehr positive Erfahrungen gemacht.
KältenKlub: Gab es dennoch Situationen, die unangenehm waren?
Lena Grabowsky: Einmal auf einer Baustelle. Dort kamen von anderen Gewerken einige dumme Sprüche. Meine Kollegen haben das aber mitbekommen und direkt reagiert. Das hat mir gezeigt, wie wichtig ein gutes Team ist.
KältenKlub: Was möchtest du jungen Frauen mitgeben, die über eine Ausbildung in der Kältetechnik nachdenken?
Lena Grabowsky: Dass sie sich davon nicht abschrecken lassen sollten, dass es ein technischer Beruf ist. Frauen können diesen Beruf genauso gut ausüben wie Männer. Die Möglichkeiten sind enorm: Man kann Technikerin, Meisterin, Ausbilderin oder Unternehmerin werden.
KältenKlub: Du hast das Thema Selbstständigkeit angesprochen. Gibt es dort besondere Herausforderungen für Frauen?
Lena Grabowsky:Ja, insbesondere beim Thema Familienplanung. Während des Meisterkurses habe ich gelernt, dass Selbstständigkeit und Mutterschaft organisatorisch und finanziell deutlich schwieriger zu vereinbaren sind als in einer Festanstellung. Das sollte man bei seiner Karriereplanung berücksichtigen.
KältenKlub: Lena, vielen Dank für das offene Gespräch und die spannenden Einblicke.
Dass Lena ins Handwerk möchte, wusste sie schon als Kind.
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