Generell lohnt sich ein Blick auf die Serienausstattung einer Wärmepumpe. Denn die später in der Regel ohnehin benötigte und gewünschte Ausrüstung muss sonst zusätzlich bezahlt werden.
Die Beurteilungskriterien von Luft / Wasser-Wärmepumpen haben sich mit Weiterentwicklungen der Hersteller und den gesetzlichen sowie technischen Rahmenbedingungen teils deutlich geändert. Fokussierte sich der erste Teil des Artikels (siehe KK 03 / 2026) auf die Kriterien „Split-Wärmepumpe oder Monoblock“ und die „Aufstellung“ werden nun die weiteren relevanten Faktoren bewertet.
Wer heute bei der Auswahl und Beurteilung einer Luft / Wasser-Wärmepumpe noch auf die Faktoren setzt, die vor zehn Jahren Gültigkeit hatten, empfiehlt in der Praxis oft nicht die geeignetste Technik. Das hat im ersten Teil des Artikels vor allen Dingen die Problematik der Rahmenbedingungen rund um die Aufstellung von Luft/Wasser-Wärmepumpen mit dem Kältemittel R 290 gezeigt. Mit dem dritten Kriterium „Schallemissionen“ soll nun ebenfalls einer der ganz entscheidenden Gesichtspunkte beleuchtet werden.
Kriterium3: Schallemissionen
Wie bereits unter Kriterium 2 erwähnt (siehe KK 03 / 2026), bilden auch die Schallemissionen weiterhin eines der wesentlichen Ausschlusskriterien bei der Auswahl und Installation einer Wärmepumpe. Das größte Problem für das Fachhandwerk bei diesem Kriterium: Die Vergleichbarkeit von Herstellerangaben ist nur bedingt möglich. Der Grund dafür liegt in Angaben nach unterschiedlichen Maßgaben, Regeln und Bewertungsverfahren.
Zwar ermöglichen die Angaben des ErP-Schallpegels eine gewisse Vergleichbarkeit, doch beachtet werden sollte in erster Linie der maximale Schallpegel im Tag- und im Nachtbetrieb im Schallrechner des Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Wichtig für Fachhandwerker zu wissen: Genau diese beiden Messpunkte und Angaben haben nach TA Lärm Aussagekraft bei eventuellen Rechtsstreitigkeiten!
Doch warum sollten gerade die Werte des maximalen Schallpegels laut BWP berücksichtigt werden statt der ErP-Daten? Noch vor einigen Jahren unterschieden sich beide Angaben nur um maximal 1 oder 2 dB(A). Mittlerweile können jedoch rund 10 dB(A) zwischen den Werten liegen. Der Grund dafür liegt – wie so oft bei Messungen zu den Schallemissionen – in den Berechnungsgrundlagen. Denn die ErP-Schallwertmessung beruht noch auf alten Wärmepumpen mit On- / Off-Verdichtern. Dadurch waren die zugrunde liegenden Werte anders als bei den heutigen Inverter-Verdichtern quasi irrelevant – die Wärmepumpe lief entweder gar nicht oder mit voller Leistung.
An welchen konkreten Maßstäben können sich Fachhandwerker in Zahlen nun tatsächlich orientieren? Bei wieviel dB(A) ist eine Wärmepumpe nun wirklich leise? Ein kleiner Anhaltspunkt: 27,5 dB(A) in 3 m Abstand sollte eine Wärmepumpe im leistungsreduzierten Nachtmodus mittlerweile problemlos erreichen können. Besonders wichtig ist dabei auch, dass keine Tonalität auftritt – d. h. keine störenden Geräusche in bestimmten Frequenzbereichen. Etliche Hersteller widmen dieser Problematik ihre besondere Aufmerksamkeit und lösen die unvermeidbaren Eigenfrequenzen durch eine ausgefeilte Regelungstechnik.
Generell lässt sich jedoch kein fixer Wert in dB(A) definieren und damit keine allgemein gültige Antwort geben, sondern es geht rein um die Einhaltung der Werte gemäß TA Lärm und Lärmschutz-Richtlinie (LRI). Die Krux dabei: Die Vorschriften zu Schallemissionen werden darüber hinaus auf regionaler bzw. lokaler Ebene fixiert. Und so gelten in Kommune X die Vorschriften der TA Lärm - 3 dB(A) und in Kommune Y die Vorschriften der TA Lärm - 6 dB(A). Deswegen ist es für jeden Fachhandwerker verpflichtend, sich jeweils über die Vorschriften im Installationsgebiet genau zu informieren und diese Angaben auch periodisch auf Veränderungen zu überprüfen.
Wärmepumpen sollten sich effizient in das Gebäude- Energiemanagement einbinden lassen.
Kriterium4: Effizienz und Leistungsdaten
Auch hinsichtlich der Effizienz steht der Fachhandwerker unterschiedlichen Maßzahlen gegenüber, die ein Bild vermitteln können, das nicht der Realität entsprechen muss. Hier seien nur die Kennzahlen COP (Coefficient of performance), SCOP (Seasonal coefficient of performance), JAZ (Jahresarbeitszahl) und εs (Eta_s) genannt. Um den Rahmen des Artikels nicht zu sprengen, soll hier nicht auf die Unterschiede in diesen Maßzahlen eingegangen werden.
Vielmehr soll die „jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz“ Eta_s in den Mittelpunkt der Überlegungen zu Effizienzangaben gerückt werden. Dieser Wert ist die Grundlage für das EU-Energieeffizienzlabel nach ErP, die Grundlage der Förderfähigkeit, die Vorlage für Untersuchungen der Stiftung Warentest und die Basis für einen Vergleich unterschiedlicher Heiztechniken.
Generell sollte man zur Entwicklung von Wärmepumpen wissen, dass sich die Effizienz, Schallemissionen und Abmessungen in einem Dreieck bewegen, in dem die Veränderung eines Wertes direkte Auswirkungen auf die anderen Werte hat. Das bedeutet z. B., dass eine Wärmepumpe, die effizienter wird, zwangsläufig lauter oder größer werden muss. Hersteller müssen also nach der perfekten Synergie zwischen diesen Parametern für ihre Produkte suchen. Dies ist den wichtigen Marktteilnehmern offensichtlich mit Blick auf die Effizienz besonders gut gelungen, denn die Werte unterscheiden sich in der Regel nur marginal.
Insofern hat sich die Bedeutung der Effizienz einer Wärmepumpe tendenziell verringert. Entscheidend sind Faktoren wie die Aufstellbarkeit und die Schallemissionen geworden. „Was nutzt das letzte Zehntel an einer höheren Effizienz im Vergleich zu anderen Wärmepumpen, wenn eine Aufstellung aufgrund des großen Schutzbereiches oder einer zu hohen Lautstärke nicht machbar ist“, so Dr. Linder, Leiter Produktmanagement bei Vaillant Deutschland, dazu.
Die maximalen Schallpegel im Tag- und Nachtbetrieb sind aussagekräftiger als der ErP-Schallpegel.
Kriterium5: Regelung / Energie-Management
Hinsichtlich der Regelung einer Luft/Wasser-Wärmepumpe sind die Vorgaben prinzipiell klar: Nicht nur die Wärmepumpe an sich sollte möglichst effizient geregelt sein, sondern sie sollte sich gleichzeitig intelligent in das gesamte Energie-Management eines Gebäudes einbinden lassen. An erster Stelle steht hier die Eigennutzung von PV-Strom und die Verwendung bevorrateter Energie aus dem Batteriespeicher. Ist die Regelung dann noch darauf ausgelegt, nicht nur die Wärmepumpe zu steuern, sondern auch gleichzeitig die vorhandene kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung, gleicht dies einer perfekten Lösung.
Doch letztendlich spielen nicht nur die Technik an sich, sondern vor allem auch die Installation und die Nutzung der Wärmepumpe eine entscheidende Rolle für die tatsächliche Effizienz. Deswegen haben Heiztechnikhersteller wie Vaillant hier umfassende digitale Services im Programm, die über die eigentlichen Regelungsaufgaben deutlich hinausgehen.
Der Service OptimierungPlus von Vaillant analysiert z. B. fortlaufend die Betriebsparameter des Heizsystems und passt diese individuell auf die jeweilige Immobilie und das Nutzerverhalten an. Dadurch lassen sich Energiekosten um bis zu 15 Prozent reduzieren. Das intelligente, cloudbasierte Energiemanagement EnergiePlus wiederum bewirkt, dass die Wärmepumpe vorausschauend selbst erzeugten PV-Strom nutzt. Bei der Beanspruchung eines dynamischen Stromtarifs verlagert EnergiePlus den Warmwasser-Betrieb der Wärmepumpe in die Zeiten der niedrigsten Börsenstrompreise.
Auch die Regelung sollte per App erfolgen. Diese muss dann nicht nur reine Regelungsfunktionen, sondern auch die Veranschaulichung der Energieverbräuche in Echtzeit generieren. So lassen sich die Heizkosten senken, indem der Verbrauch optimiert wird. Hier ist oft ein Blick in die Bewertungen der einschlägigen App-Stores hilfreich. Denn dort berichten Nutzer über ihre Erfahrungen im Umgang mit der App und bewerten ihre Alltagstauglichkeit sowie Benutzerfreundlichkeit.
Die Effizienz verschiedener Wärmepumpen ist mittlerweile vergleichbar hoch.
Kriterium6: Randfaktoren
Zahlreiche weitere Faktoren spielen in der Beurteilung einer Luft / Wasser-Wärmepumpe eine wichtige Rolle. Jedoch runden sie angesichts der Dominanz der ersten fünf Kriterien oftmals lediglich den bereits entstandenen Eindruck ab. Eines dieser Merkmale ist eine längere, beispielsweise fünfjährige, Garantie. Diese kann oftmals kostenpflichtig auf zehn Jahre verlängert werden.
Und auch der Blick auf die „Serienausstattung“ lohnt sich fast ebenso wie beim Pkw. Denn die später in der Regel ohnehin benötigte und gewünschte Ausrüstung kann als Sonderzubehör richtig ins Geld gehen. Dazu zählen beispielsweise Absperrventile für die Wartung, die Kaltwasser-Sicherheitsgruppe, das Internet-Gateway, ein integrierter Magnetitabscheider in der Inneneinheit etc.
Das letzte Zehntel einer höheren Effizienz ist nutzlos, wenn eine Aufstellung aufgrund des großen Schutzbereiches oder einer zu hohen Lautstärke nicht machbar ist.
Vaillant / Linder
Fazit
Die Relevanz von Beurteilungskriterien einer Luft / Wasser-Wärmepumpe hat sich in den letzten Jahren geändert. Lag früher unangefochten die Effizienz auf Platz 1, haben sich die Produkte der wesentlichen Hersteller mittlerweile weitgehend angeglichen. Dadurch rücken insbesondere das Kriterium der Aufstellmöglichkeiten in Verbindung mit dem Kältemittel R 290 und die Schallemissionen in den Fokus. Zahlreiche weitere Faktoren runden dann das Bild der Wärmepumpe und ihre Einstufung in das Gesamtangebot ab.
Mehr als 27,5 dB(A) sollte eine Wärmepumpe in 3 m Abstand im leistungsreduzierten Nachtmodus kaum noch erzeugen.
Bild: Vaillant
Fast selbstverständlich ist mittlerweile die Regelung einer Wärmepumpenanlage per App. Diese sollte u. a. auch Energieverbräuche in Echtzeit anzeigen können, um den Verbrauch zu optimieren.
Bild: Vaillant
Generell beeinflussen sich bei einer Wärmepumpe die Effizienz, Schallemissionen und die Größe gegenseitig. Hersteller müssen daher nach einem effizienten Zusammenspiel zwischen diesen Parametern für ihre Produkte suchen.
Bild: Vaillant
Zum Regelungsstandard sollte auch ein intelligentes, cloudbasiertes Energiemanagement wie EnergiePlus zählen, das vorausschauend selbst erzeugten PV-Strom nutzt und bei einem dynamischen Stromtarif über den geeigneten Bezugszeitpunkt von Strom entscheiden kann.
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