Wenn sich der Markt im Heizungskeller verändert
Neckarsulm-Obereisesheim. Jahrzehntelang gehörten Messgeräte zur Emissionsüberwachung, Abgasanalyse und Druckprüfung zum Alltag im Schornsteinfeger-Handwerk und Heizungsbau. Wenn Öl- und Gasbrenner eingestellt oder gesetzliche Grenzwerte geprüft wurden, sorgten Präzisionsgeräte der MRU GmbH für verlässliche Messwerte. Seit der Gründung im Jahr 1984 hat sich das Unternehmen aus Obereisesheim als international geschätzter Hersteller von Messgeräten für Rauchgase und Umweltschutz etabliert.
Mit der beschleunigten Energiewende verändert sich jedoch der Bedarf im Handwerk. Wo Öl- und Gasheizungen schrittweise Wärmepumpen weichen, entfällt bei vielen Anwendungen die klassische Abgasmessung. Für MRU stellte sich damit die strategische Frage, wie sich die eigene Kompetenz in einem schrumpfenden Kernmarkt sichern und zugleich in zukunftsfähige Geschäftsfelder übertragen lässt.
Diversifizierung mit vertrauter Messtechnik
Vor rund drei Jahren stellte MRU die Weichen für eine konsequente Diversifizierung. Statt das Stammgeschäft lediglich zu verwalten, machte sich das Unternehmen daran, seine Erfahrung in hochpräziser Sensorik, Mikroelektronik und Gerätebau für ein angrenzendes Wachstumsfeld zu nutzen: die Kälte-, Klima- und Wärmepumpentechnik.
Das Ergebnis ist die digitale Monteurhilfe MONTEC. Sie richtet sich an Kälte- und Klimatechniker sowie an Fachkräfte aus dem Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk (SHK), die zunehmend Wärmepumpen installieren, in Betrieb nehmen und warten. Entwicklung und Fertigung bleiben am Standort Obereisesheim. Damit verbindet MRU den Einstieg in ein neues Marktsegment mit dem eigenen Anspruch an Präzision und Qualität „Made in Germany“.
MONTEC für Propan und Kohlendioxid
Ein wesentlicher Treiber für den Wandel in der Kältetechnik ist die europäische F-Gase-Verordnung. Sie begrenzt synthetische Kältemittel mit hohem Treibhauspotenzial (GWP). Entsprechend wächst die Bedeutung natürlicher Kältemittel, insbesondere Propan (R290) und Kohlendioxid (R744). Die beiden Stoffe bieten Chancen, stellen aber unterschiedliche Anforderungen an die eingesetzte Messtechnik.
Propan besitzt gute thermodynamische Eigenschaften und ein sehr geringes Treibhauspotenzial, ist als Kohlenwasserstoff jedoch leicht entzündlich. Für den Einsatz an Anlagen mit R290 hat MRU eine spezielle MONTEC-Ausführung mit Explosionsschutz für die EX-Zone 2 entwickelt. Die zertifizierte Variante ist auf die besonderen Sicherheitsanforderungen bei der Arbeit mit diesem Kältemittel ausgelegt.
Bei Kohlendioxid sind vor allem die hohen Drücke in den Anlagen entscheidend. CO₂-Systeme können unter transkritischen Bedingungen arbeiten und verlangen deshalb eine entsprechend druckfeste Ausrüstung. Die MONTEC-Variante für R744 verfügt über robuste Sensorik und Mechanik und ist für Arbeitsdrücke bis zu 160 bar ausgelegt.
Die Modellvarianten greifen damit jeweils eine zentrale Herausforderung im Umgang mit natürlichen Kältemitteln auf: die Zündgefahr von Propan und die hohen Betriebsdrücke bei Kohlendioxid. Für Anwender ist die passende Ausführung entscheidend, damit das Messgerät für das jeweilige Kältemittel und die Einsatzbedingungen ausgelegt ist.
Präzise Messungen, digital dokumentiert
Auch im Arbeitsalltag soll die Bedienung übersichtlich bleiben: Das hochauflösende Farbdisplay zeigt Drücke und Temperaturen sowie Überhitzungs- und Unterkühlungswerte gleichzeitig und in Echtzeit an. Über die integrierte Bluetooth-Schnittstelle können Messdaten direkt an Smartphones oder Tablets übertragen werden. Eine App unterstützt dabei, die Werte in übersichtlichen Prüfberichten zu dokumentieren – praktisch für Installation, Inbetriebnahme und Service.
Mit MONTEC überträgt MRU bewährte Fähigkeiten aus der Abgas- und Messtechnik in ein neues Anwendungsfeld. Die Erweiterung des Portfolios reagiert auf den Wandel im Heizungsmarkt und auf die steigende Bedeutung von Wärmepumpen und natürlichen Kältemitteln. Zugleich setzt MRU auf Entwicklung und Fertigung am Standort Obereisesheim. So verbindet das Familienunternehmen traditionelle Stärken mit der Bereitschaft, neue technische Anforderungen im Handwerk aktiv aufzugreifen.
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