Der Meistertitel eröffnet ganz andere Wege. Es muss nicht immer der eigene Fachbetrieb sein.
Wie wird man vom gelernten Kälteanlagenbauer zum Regionalleiter? Michael Schröder-Seitz, Kälteanlagenbauermeister bei Stulz, schildert im Gespräch seinen Karriereweg. Ein inspirierender Einblick in die Karrierechancen der Kältetechnik.
Michael erzählt, wie er über einen Zufall in die Branche kam, warum er seinen Meistertitel bewusst erst nach über zehn Jahren Praxiserfahrung anstrebte und welche Möglichkeiten sich ihm dadurch eröffneten – weit über die Werkbank hinaus.
Kältenklub: Wie bist du überhaupt auf den Gedanken gekommen, Kälteanlagenbauer zu werden, und wie ging es dann für dich weiter?
Michael: Man wird mit 15 oder 16 ja gefragt, was man lernen will. Ich konnte nicht einmal sagen, was ich machen will, sondern nur, wofür ich mich interessiere: Maschinenbau, Elektrotechnik, Computer und so weiter. Daraufhin sagte mein Cousin: „Dann lern doch Kälteanlagenbau.“ Der Beruf selbst hat mir erst mal nichts gesagt, er war mir fremd. Dabei kommt mein Cousin selbst aus der Kältetechnik und es gab sogar einen Familienbetrieb in der Hamburger Gegend, was ich bis dahin gar nicht wusste. Ich habe mich dann schlau gemacht, eine Bewerbung an die damalige Firma Linde geschrieben, den Einstellungstest bestanden und wurde genommen. So habe ich meine Ausbildung zum Kälteanlagenbauer gemacht und den Beruf erst während der Lehre richtig kennengelernt. Vorher wusste ich 1996 quasi nichts darüber.
Ich habe bei Linde gelernt und 2000 meine Gesellenprüfung gemacht. Danach bin ich über viele Stationen in der Kältetechnik geblieben und war unter anderem in der Industriekälte, zum Beispiel bei York. Dort habe ich die ganze Kaltwassertechnik kennengelernt, also Kaltwassersätze und alles, was dazugehört.
Dann lern doch Kälteanlagenbau.
Kältenklub: Waren das Themen, die in der Ausbildung schon eine große Rolle spielten?
Michael: Nein, nur sehr wenig. Damals war die Ausbildung auf Direktverdampfungssysteme fokussiert. Kaltwasser war noch nicht so gang und gäbe. Der Hauptfokus lag auf dem Kühlraum, dem Kühlregal – also allem, was man so im Supermarkt findet.
Ich habe bis zu meinem 30. Lebensjahr in dem Bereich gearbeitet und dann irgendwann gesagt: „So, jetzt möchte ich meinen Meister noch machen.“ Für viele ist das sehr spät, für mich fand ich es aber sehr passend, weil ich extrem viel Praxis sammeln konnte. Ich habe den Meister dann hier in Oberschleißheim berufsbegleitend gemacht und wurde von meinem damaligen Arbeitgeber, Hofmann-Kühlung in Freising, gut unterstützt.
Kältenklub: Das heißt, der Betrieb hat gesagt: „Mach den Meister, wir zahlen das“?
Michael: Nein, gezahlt habe ich alles selbst. Die Unterstützung sah anders aus: Sie haben dafür gesorgt, dass ich freitags und samstags ohne Probleme in die Schule gehen konnte. Außerdem konnte ich mir die Monate für die Teile 3 und 4 blocken, die ich in Vollzeit machen wollte. In dem Zug habe ich auch noch den Geprüften Fachwirt nach der Handwerksordnung (Geprüfter Fachwirt HwO) gemacht. Das hat alles wunderbar funktioniert, und mit 33 war ich fertig. Bis zum Ende der Meisterprüfung habe ich komplett als Servicetechniker in der Praxis gearbeitet. Ich habe es nicht bereut, dass ich das so gemacht habe. Klar, ich war der Älteste in der Meisterklasse, aber das war für mich in Ordnung. Ich hatte die ganze Praxiserfahrung, wusste, wie man mit den Anlagen umgeht, und habe mich dadurch in der Praxis leichtergetan.
Kältenklub: Hattest du durch die lange Berufserfahrung Vorteile gegenüber den jüngeren Meisterschülern, die vielleicht direkt nach der Ausbildung kamen?
Michael: In der Praxis würde ich sagen: ja. In der Theorie habe ich mich schwerergetan, weil bei den Jüngeren der Schulstoff einfach noch präsenter war. Ich musste vieles wieder nachlesen, weil man es mit der Zeit vergisst, wenn man nicht permanent damit zu tun hat. Aber in der Praxis sah ich es schon als Vorteil. Für mich war immer klar, dass ich mich nicht selbstständig machen, aber zumindest in eine Führungsposition gehen möchte.
Ich habe immer noch meinen Werkzeugkoffer im Auto. Wenn es brennt, lange ich mit hin.
Kältenklub: Es muss also nicht der eigene Fachbetrieb sein, den man gründet, sondern man kann auch das machen, was du heute tust.
Michael: Ja, genau. Ich bin dann in die Projektleitung bei einem großen Gebäudetechnikunternehmen gegangen. Dort habe ich den Bereich Kältetechnik als Projektleiter und später als technischer Betriebsleiter für den Standort übernommen.
Ich habe meine Servicetechniker koordiniert, damit sie ihre Störungen abarbeiten und Neuanlagen montieren. Außerdem habe ich Angebote geschrieben und Ortsbegehungen durchgeführt.
Primär war ich im Büro, habe die Jungs aber natürlich auch unterstützt. Ich habe nach wie vor in meinem Firmen-PKW einen Werkzeugkoffer mit Manometer. Das kriege ich nicht weg und das macht mir auch Spaß. Mir ist es egal, ob ich jetzt ein weißes Hemd anhabe – wenn es an der Anlage ein Problem gibt und es brennt, lange ich mit hin. Jederzeit gerne.
Kältenklub: Könntest du dir vorstellen, irgendwann wieder voll in die Praxis zu gehen?
Michael: Es ist alles offen, aber ich kann es mir nicht mehr vorstellen, zu 100 % in die Praxis zurückzugehen. Ich habe immer mehr Gefallen an den koordinierenden und administrativen Aufgaben gefunden. Hin und wieder mal an einer Anlage zu schrauben ist nett, aber ich mache auch gerne das ganze Drumherum.
Kältenklub: Als Regionalleiter Süd-Ost bist du ja auch eher in einer koordinierenden Rolle.
Michael: Ja, ich bin koordinierend tätig. Ich halte Kontakt zu den Planungsbüros und den Planern und schaue, dass meine Kollegen mit neuen Ausschreibungen versorgt werden, die ich aber auch mit vorbereite. Personalführung gehört dazu; ich habe hier in Bayern ein Team von circa zehn Leuten, für die ich zuständig bin. Jeder braucht mal Unterstützung, und da stehe ich gerne zur Verfügung. Dazu kommt das Reporting an meinen Chef – der möchte Zahlen, Daten, Fakten, was ganz klar ist. Aber auch das macht Spaß. Zwischendrin mal ein paar Zahlen und Bilanzen anzuschauen, ist auch immer ganz nett. Es ist alles möglich. Es gibt viele Möglichkeiten.
Kältenklub: Prima. Danke dir für das Gespräch!
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