Die Lehrerschaft und einige Referenten des diesjährigen Treffens in Lindau am Bodensee.
Vom 11. bis 13. Mai treffen sich die Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer sowie die Dozentinnen und Dozenten der weiterführenden Schulen im Berufsschulzentrum Lindau am Bodensee. Neben den Vorträgen und dem eigentlichen Lehrertreff geht es zum ersten Mal auch in einen praktischen Teil. Es werden sechs Mono-Split-Klimaanlagen installiert und in Betrieb genommen.
Bereist am Sonntag sind der Wolle und ich, Dirk Rehfeld, nach Lindau gefahren. Wir treffen uns mit Günter Köhler und bereiten die sechs Midea-Klimaanlagen vor, die am Montag von der Lehrerschaft installiert werden sollen. Es sind 5 kW-Anlagen und wir suchen zuerst das benötigte Material zusammen. Das meiste kommt von der Schule, aber auch Wolle muss aus seinem Wagen weiteres Verbrauchsmaterial und Vakuumpumpen holen. Nach einigen Stunden ist der Raum dann vorbereitet. Mittlerweile sind auch etwa zehn Lehrer angekommen. Es ist schön, alte Bekannte und neue Gesichter zu sehen. Auch Robert Hess ist bereits vor Ort. Mit einem Pferdeanhänger hat er seine neue Hydraulikwand transportiert, die er den Lehrerinnen und Lehrern vorstellen wird. Wir gehen essen und der Abend endet relativ früh.
Am Montag um 14:00 sind dann alle an Bord. Wir haben sogar fünf Gäste aus Südtirol dabei. Es wird international. Nach der Begrüßung starten zuerst die Vorträge.
Advansor
Die Präsentation von Thomas Zinnöcker zeigt den Einsatz von CO₂-Kälteanlagen in Gewerbe und Industrie mit Fokus auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Da mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs auf Kühlen und Heizen entfällt, sollen moderne Systeme durch die Kombination von Kühlung, Tiefkühlung, Klimatisierung und Wärmerückgewinnung Emissionen und Betriebskosten senken. Zur Effizienzsteigerung setzt Advansor auf Technologien wie Parallelverdichtung, Permanentmagnetmotoren und Ultra-Low-Superheat-Systeme. Laut Präsentation ermöglichen moderne CO₂-Anlagen Energieeinsparungen von bis zu 20 Prozent gegenüber konventionellen Lösungen.
Panasonic
Karsten Wagner stellte Heiz- und Kühllösungen für Neubau und Sanierung mit Schwerpunkt auf Wärmepumpen und natürlichen Kältemitteln vor. Im Fokus stehen die Aquarea-Luft-Wasser-Wärmepumpen mit den Kältemitteln R32 und R290. Besonders hervorgehoben wird die T-CAP-Technologie, die auch bei niedrigen Außentemperaturen nahezu konstante Heizleistung liefert. Dadurch sind viele Systeme bis -20 °C ohne elektrischen Heizstab nutzbar. Die Geräte eignen sich sowohl für Neubauten als auch für Sanierungen mit bestehenden Heizkörpern. Die Produktpalette reicht von kleinen Wohngebäuden bis zu Großanlagen mit Kaskadensystemen bis 300 kW Leistung. Vorgestellt werden außerdem Lösungen wie Aquarea Loop, ein dezentrales Wasser-Luft-System für Heizen und Kühlen, sowie Fancoils und kompakte Klimageräte ohne Außeneinheit. Ziel ist eine flexible, energieeffiziente und platzsparende Gebäudetechnik.
Der Austausch zwischen Berufsschulen, ÜBL-Zentren und Industriepartnern stand im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Westfalen AG
Der Vortrag von Dennis Frieske warnt vor dem zunehmenden illegalen Handel mit Kältemitteln. Schätzungen zufolge liegt der Anteil illegaler Ware in der EU bereits bei 30 bis 50 Prozent. Betroffen sind sowohl klassische HFKW-Kältemittel wie R134a oder R410A als auch moderne Stoffe. Ursache ist vor allem die schrittweise Reduzierung von F-Gasen im Rahmen der EU-F-Gas-Verordnung bis hin zum geplanten Phase-out im Jahr 2050. Illegale Kältemittel gelangen häufig durch Schmuggel, gefälschte Dokumente oder missbrauchte Quoten auf den Markt. Zusätzlich treten Probleme wie falsche Inhaltsstoffe, Verunreinigungen, nicht zugelassene Einwegzylinder oder fehlende Kennzeichnungen auf. Dadurch entstehen erhebliche Risiken für Anlagen, Umwelt und Sicherheit. Frieske zeigt Beispiele gefälschter Kältemittel, bei denen der tatsächliche Inhalt stark vom angegebenen Produkt abwich. Teilweise enthielten die Flaschen sogar gefährliche oder explosive Stoffe. Besonders kritisch sind brennbare Kohlenwasserstoffe, die häufig über Online-Marktplätze verkauft werden.
Die praktische Arbeit vom Bördeln bis zum Evakuieren sorgte für viel Dynamik und Begeisterung unter den Lehrkräften.
Bitzer
Thilo Roller behandelt Herausforderungen und Lösungen beim Betrieb von CO₂-Verdichtern in heutigen Kälteanlagen, insbesondere in Supermärkten. Durch geschlossene Kühlmöbel, steigende Tiefkühlleistungen und höhere Anforderungen an Energieeffizienz werden die Systeme komplexer und müssen stark schwankende Lasten zuverlässig ausgleichen. Typische Probleme sind hohe Betriebstemperaturen, Flüssigkeitsschläge und häufige Start- und Stoppvorgänge, die zu Verschleiß und Mangelschmierung führen können. Besonders kritisch ist der Teillastbetrieb bei geringer Auslastung. Als wichtigste Lösung stellt Thilo Roller eine präzise Leistungsregelung vor. Systeme wie VARIPACK und VARISTEP ermöglichen eine stufenlose oder nahezu stufenlose Anpassung der Verdichterleistung an den tatsächlichen Kühlbedarf.
Der praktische Teil
Im Anschluss an diese Vorträge kommt Bewegung ins Spiel. Die einen beschäftigen sich mit der Schulführung. Die anderen stellen eine Gruppe aus 12 Personen dar. Wir führen sie in den Elektroraum und stellen ihnen die praktische Aufgabe vor. In Zweier-Teams geht es los. Es ist laut und wuselig. Ich finde es klasse, wenn die Lehrerschaft sich einer praktischen Aufgabe stellt. Daher ist diese Übung perfekt für diejenigen, die selber mal von der Bördelglocke bis zur Vakuumpumpe die einzelnen Schritte abarbeiten wollen. Alle haben es geschafft und werden am nächsten Tag mit einer Flasche Sekt belohnt.
Am Abend haben wir dann vor der Schule gegrillt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Günter Köhler für die Organisation und an Karin Voigt, der Leiterin des Schulheimes, die uns täglich mit Essen versorgt und das leckere Grillgut organisiert hat.
Der Dienstag beginnt mit einer Ehrung. Die Meike Heigert und der Robert Zahler-Jung von der David Roentgen Schule in Neuwied sind zwei Lehrende, die uns z.B. redaktionell unterstützen und auch beim 12. Kälten-Treff tatkräftig geholfen haben. Es sind zwei Menschen, die nahezu immer erreichbar sind und nicht lange fackeln, wenn es um irgendwelche Unterstützung geht. Ja und dann fiel mir unsere Kurbelkälteanlage ein, die seit mindestens einem Jahr in Leonberg steht. Der Robert Hess von der Bundesfachschule Maintal hat sie vor einigen Monaten repariert und zur Veranstaltung zusätzlich zu seiner Hydrauikwand mitgebracht. Ein toller Zug. Und dann haben wir sie an den Robert Zahler Jung übergeben. Ich hoffe, er freut sich. Nach dieser „Ehrung“ startet die zweite Vortragsrunde.
Die Diskussionen zum Rahmenlehrplan zeigen, wie stark sich die Ausbildung an zukünftige Anforderungen anpassen muss.
Danfoss
Die Präsentation von Michael Rosenzweig gibt einen Überblick über verschiedene Expansionsventile in der Kälte- und Klimatechnik. Vorgestellt werden thermostatische Expansionsventile (TEV), stetig regelnde elektronische Ventile (ETS) sowie pulsweitenmodulierende elektrische Ventile (PWM). Thermostatische Ventile arbeiten mechanisch und selbstregelnd. Sie gelten als robust, zuverlässig und wartungsarm. Elektronische Ventile ermöglichen dagegen eine deutlich präzisere und schnellere Regelung der Überhitzung. ETS-Ventile arbeiten stufenlos über Schrittmotoren und eignen sich besonders für variable Lasten und energieeffiziente Anlagen. PWM-Ventile regeln über schnelle Öffnungs- und Schließzyklen und reagieren besonders schnell auf Laständerungen. Ein Schwerpunkt der Präsentation liegt auf dem richtigen Fühlerkontakt und der korrekten Montage des Temperaturfühlers.
MRU
Dierk Ahrends behandelt den Wandel der Messtechnik in der Kälte-, Klima- und Wärmepumpentechnik durch den Einsatz natürlicher Kältemittel wie Propan (R290) und CO₂ (R744). Dadurch steigen die Anforderungen an Monteurhilfen und Messgeräte deutlich. Im Fokus steht deshalb das europäische ATEX-Regelwerk zum Explosionsschutz. Es definiert Sicherheitsanforderungen für Geräte und Arbeitsumgebungen in explosionsgefährdeten Bereichen. Die vorgestellte „MONTEC Ex“ ist für den Einsatz in ATEX-Zone 2 zugelassen, also für Bereiche, in denen explosionsfähige Gase nur selten und kurzzeitig auftreten. Das Gerät vermeidet wirksame Zündquellen und ermöglicht sicheres Arbeiten an Propan-Anlagen.
Inaba denko
Sahin Er stellt das Unternehmen sowie Lösungen für die Installation und den Schutz von Klima- und Wärmepumpenanlagen vor. INABA DENKO gehört zur japanischen Inaba Denki Sangyo Co., Ltd., die seit 1938 besteht und weltweit Zubehör für Klimatechnik produziert. Das Unternehmen ist besonders für Leitungskanäle, isolierte Kupferrohre und Installationszubehör bekannt und besitzt hohe Marktanteile in Japan und den USA. Als moderne Lösung entwickelte das Unternehmen bereits 1979 das Leitungskanal-System „SLIMDUCT“. Die Kanäle schützen Leitungen und sorgen für eine optisch saubere Installation. Das System wird in Wohn- und Gewerbegebäuden eingesetzt und ist in verschiedenen Größen, Farben und Formteilen erhältlich.
Das Treffen der Lehrerschaft
Nach dem Mittagessen startet das eigentliche Lehrertreffen. Zuerst wird gemeinsam gesprochen. Dann trennen sich die Berufsschullehrer und die Dozenten. Am Abend treffe ich Robert Zahler Jung und Robert Hess. Ich möchte wissen, was bisher besprochen wurde:
Mit den neuen ÜBL-Kursen zu Raumlufttechnik und Wärmepumpen soll die Ausbildung praxisnäher und zukunftsfähiger werden.
Dirk: Robert, du bist einer der Vertreter der Lehrerschaft seitens der Berufsschullehrer. Welche Themen standen dabei im Mittelpunkt?
Robert: Wir haben verschiedene Themen aufgegriffen, die bereits beim letzten Lehrertreffen angeregt wurden. Konkret ging es um die Austauschgruppe in Moodle und um die Änderung des Rahmenlehrplans, die vom BBA-Ausschuss angestoßen wurde. Letztes Jahr haben wir Kollegen gesucht, die an der Überarbeitung mitarbeiten. Und diese Gruppe hat in mehreren Online-Treffen die Änderungen erarbeitet. Heute haben wir die überarbeiteten Lernfelder und Vorschläge für die Prüfungsordnung vorgestellt.
Dirk: Was genau wurde am Rahmenlehrplan und der Prüfungsordnung geändert?
Robert: Wir haben die Lernfelder neu strukturiert, um den Lehrplan und die Prüfungsordnung zukunftsfähiger zu gestalten. Ein zentraler Punkt der Diskussion war die prozentuale Verteilung der Prüfungsteile. Aktuell kann ein Lehrling durch eine sehr gute praktische Prüfung die Ergebnisse in der Theorie und Sozialkunde ausgleichen, auch wenn diese schwach sind. Das möchten wir ändern. Künftig soll nur noch eine mangelhafte Leistung in einem Bereich ausgeglichen werden können, um die Anforderungen insgesamt zu erhöhen.
Dirk: Haben die Berufsschullehrer direkten Einfluss auf die Entscheidungen zu Lehrplänen und Prüfungsmodalitäten?
Robert: Wir können Vorschläge erarbeiten, die dann in die entsprechenden Gremien eingebracht werden. Beim Lehrertreffen stellen wir unsere Ergebnisse vor, damit alle teilnehmenden Schulen auf dem gleichen Informationsstand sind. Es geht uns darum, dass jede Schule Mitspracherecht hat und die Vorschläge gemeinsam weiterentwickelt werden.
Soviel zu den Zwischenergebnissen seitens der Berufsschulen. Ich spreche nun mit Robert Hess, der Vertreter der ÜLUs.
Dirk: Auch die überbetrieblichen Lehrunterweisungen (ÜLU) wurden besprochen. Welche Neuerungen gibt es dort?
Robert: In der überbetrieblichen Lehrunterweisungen (ÜLU) gibt es insgesammt 8Kurse für Auszubildende als Mechatroniker für Kältetechnik innerhalb ihrer Lehrzeit von 3,5 Jahren. Diese8 Kurse werden neben der Berufsschule bundesweit verbindlich besucht. Es gibtzwei neue ÜLU Kurse, den KK6 und den KK7. Der KK6 behandelt Raumlufttechnik, insbesondere Kaltwassersysteme und die Wartung von raumlufttechnischen Anlagen. Der KK7 konzentriert sich auf das Thema Wärmepumpen, mit einem Fokus auf den hydraulischen Abgleich. Hier erweitern wir das Wissen der Lehrlinge von der Kältetechnik bis hin zur Heiztechnik. Beide Kurse sind auf jeweils fünf Tage ausgelegt und sollen die praktische und theoretische Ausbildung ergänzen.
Dirk: Wie sehen die nächsten Schritte aus, insbesondere für die ÜLU -Kurse?
Robert: Wir haben zu diesem Lehrertreffen in Lindau für den KK7 ein selbst entwickeltes Lehrmodell in Form einer Hydraulikwand sowie ein ausgearbeitetes Skript mitgebracht und vorgeführt. Wir werden als nächstes den KK6 zusammen in der Projektgruppe ausarbeiten. Das Projektziel soll wie auch im KK7 ein Lehrmodel sowie ein ausgearbeitetes Skript sein. Diese Lehrmodelle, wie auch die Skripte stehen dann für das gesamte Bundesgebiet zur Verfügung. Im besten Fall werden wir zum nächsten Lehrertreffen alles vorzustellen können. Sollte das zeitlich nicht klappen, haben wir die Alternative, die Schulen individuell einzuladen, um die Ergebnisse zu präsentieren. Es ist ein langfristiges Entwicklungsprojekt, das wir kontinuierlich vorantreiben.
Dirk: Morgen ist noch ein zusätzlicher Arbeitstag für euch. Was steht da auf der Agenda?
Robert: Morgen möchten wir uns intensiv mit den Details zu Prüfungen beschäftigen. Dazu gehören konkrete Beispiele, wie Theorie- und Praxisprüfungen in verschiedenen Bundesländern durchgeführt und bewertet werden. Ziel ist es, voneinander zu lernen und Ideen auszutauschen, ohne eine bundesweite Harmonisierung anzustreben. Jede Schule soll weiterhin ihre pädagogische Freiheit behalten und ihren individuellen Schwerpunkt setzen können.
Dirk: Eine Vereinheitlichung der Lehrinhalte ist also nicht geplant?
Robert: Genau, das halten wir auch für wenig sinnvoll. Jede Schule hat unterschiedliche Schwerpunkte und Zielgruppen, die individuell behandelt werden müssen. Eine strikte Vereinheitlichung würde die pädagogische Freiheit einschränken und den Bedürfnissen der Schulen und Schüler nicht gerecht werden.
Dirk: Robert und Robert, vielen Dank für das interessante Gespräch!
Nachdem auch der zweite Tag vorüber ist, gehen wir gemeinsam essen. Am Morgen des dritten Tags verabschiede ich mich und lasse die Lehrerschaft in Ruhe weiterarbeiten. Ich bin gespannt, wie sich die Themen entwickeln. DR
Bild: KältenKlub
Die Lehrerschaft lernt. Man lernt eben nie aus.
Bild: KältenKlub
Im praktischen Teil installierten die Teilnehmer eine Mono-Split-Klimaanlage.
Bild: KältenKlub
Den ersten Abend verbrachten wir beim Grillen am BSZ Lindau. Günter Köhler hat vor Ort alles wunderbar organisiert.
Bild: KältenKlub
Robert Zahler Jung von der DRS Neuwied nahm unsere Kurbelkälteanlage als Ehrung entgegen.
Bild: KältenKlub
Robert Hess brachte seine Hydraulikwand mit nach Lindau
Bild: KältenKlub
Das Video zum Beitrag: youtu.be/9cfXWEwf8kk
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