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Quereinstieg in die Kältetechnik

„Traut euch, Mädels!“ – Vom Gärtnerberuf zur Kältetechnik

Als gelernte Gärtnerin entschied sich Julia Traut nach zehn Jahren im Beruf für einen kompletten Neustart. Wir haben sie während der West-Tour mit dem KältenKlub-Mobil bei Schiessl in Pullheim zufällig getroffen und sie erzählt davon, wie sie unerwartet ihre Leidenschaft für das Handwerk entdeckte, warum sie keine Angst vor dem Quereinstieg hatte und weshalb sie andere Frauen ermutigt, diesen Schritt ebenfalls zu wagen.

KältenKlub: Wir haben dich zufällig hier bei Schiessl beim Einkaufen getroffen. Frauen in der Kältetechnik sind wirklich extrem selten. Wie bist du auf diesen Beruf gekommen?

Julia Traut: Ich bin gelernte Gärtnerin und wollte einfach einen handwerklichen Job haben, weil ich in meinem alten Beruf keine Perspektive mehr hatte. Ich bin auch keine Person, die gerne im Büro sitzt; ich möchte mit meinen Händen etwas erschaffen. Ein Kollege hat mir dann erzählt: „Hey, die Firma Jasny sucht Leute, versuch es doch einfach mal da.“ Ich hatte von Kältetechnik überhaupt keine Ahnung, habe es aber einfach mal auf mich zukommen lassen.

KältenKlub: Du bist also zu Jasny gefahren, hast dir angeschaut, was man in dem Beruf so macht, und es hat dir gefallen?

Julia Traut: Genau. Ich möchte jetzt mit der Ausbildung anfangen. Ich arbeite schon seit neun Monaten in dem Betrieb, um mir alles anzuschauen, und ich finde es super. Es ist genau mein Ding. Der Beruf ist so vielfältig, und deshalb möchte ich das machen.

Ich wurde super aufgenommen

KältenKlub: Hast du schon eine Idee, in welche Richtung es nach der Ausbildung gehen soll?

Julia Traut: Es gibt so viele Wege, die man einschlagen kann. Das weiß ich noch nicht. Ich möchte erst einmal die Ausbildung machen und dann schauen, wo der Weg mich hinführt.

KältenKlub: Das heißt, vor deinem Quereinstieg hattest du mit der Kältetechnik keinerlei Berührungspunkte?

Julia Traut: Nein, gar nicht. Ich kannte natürlich Kühlschränke und Klimaanlagen, aber was technisch dahintersteckt, wusste ich nicht.

KältenKlub: Du bist also ein perfektes Beispiel dafür, dass man diesen Beruf auch als Frau ergreifen kann, ohne Vorkenntnisse haben zu müssen.

Julia Traut: Genau, einfach trauen! Ja, traut euch, Mädels! Macht das einfach mal. Wenn euch das Handwerkliche Spaß macht und ihr nicht davor zurückschreckt, euch die Hände schmutzig zu machen, dann probiert es aus. Das kann nur gut werden. Ich bin super zufrieden.

KältenKlub: In deinem alten Beruf als Gärtnerin gab es diese vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten nicht?

Julia Traut: Nein, die gab es nicht. Ich habe zwar versucht, mich weiterzubilden, aber mir wurden keine Türen geöffnet. Ich habe zehn Jahre als Gesellin in diesem Beruf gearbeitet und dann gedacht: Nein, das ist es nicht. Jetzt glaube ich, habe ich endlich meinen Beruf gefunden.

KältenKlub: Ich finde es beeindruckend, dass du nach einer abgeschlossenen Ausbildung und zehn Jahren Berufserfahrung den Mut hattest zu sagen: Ich fange noch einmal komplett von vorne an. Du wirkst sehr entschlossen.

Julia Traut: Es hat eine Weile gedauert, bis ich mit mir gerungen und mich getraut habe, wirklich zu sagen: Okay, ich steige jetzt komplett aus meinem erlernten Beruf aus.

KältenKlub: Und wie sieht es mit dem Finanziellen aus? Viele schrecken ja vor einem Neustart zurück, weil sie einen Gehaltseinbruch fürchten.

Julia Traut: Das Geld ist schon okay. Man muss nicht sagen, dass man da irgendwie kleingehalten wird. Das hätte ich, glaube ich, auch nicht gemacht, denn die Frage, wie man mit dem Lohn zurechtkommt, stellt sich natürlich. Aber es ist völlig in Ordnung. Dafür, dass ich wirklich ungelernt da reingehe, ist das absolut fair.

Ja, traut euch, Mädels!

KältenKlub: Das ist ein wichtiges Argument für andere Frauen, die über einen Einstieg in die Kältebranche nachdenken: Man muss keine Angst haben, finanziell starke Abstriche machen zu müssen.

Julia Traut: Ich habe sogar das große Glück, dass ich während der Ausbildung keinen Verdienstausfall habe. Sie wird komplett vom Arbeitsamt übernommen, weil es einen Fachkräftemangel gibt. Wenn man jetzt den Versuch wagt, kann man viel erreichen.

KältenKlub: Das ist ein toller Anreiz. Wie ist denn die Zusammenarbeit mit den männlichen Kollegen? Muss man sich als Frau auf der Baustelle Sprüche anhören?

Julia Traut: Manchmal wird man schon komisch angeschaut, aber in meinem Betrieb überhaupt nicht. Da wurde ich super aufgenommen. Klar, die meisten Kollegen sagen dann: „Lass mich das tragen, das ist zu schwer für dich.“ Das finde ich aber nicht so schlimm. Wir Frauen können genauso anpacken. Auf der Baustelle wird man am Telefon vielleicht mal mit „Frau“ oder „Weib“ angesprochen, aber sobald man auf einer Leiter oder Hebebühne steht, ist das vorbei. Dann ist man Teil des Teams. Das finde ich toll.

KältenKlub: Danke für das spontane Gespräch.

Julia Traut hat nach zehn Jahren den Beruf gewechselt.

Bild: KältenKlub

Julia Traut hat nach zehn Jahren den Beruf gewechselt.

Bild: KältenKlub

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