Midea ist weltweit einer der größten Hersteller von Klimageräten – doch für Europa entstehen viele Entwicklungen direkt in Deutschland. Im F&E-Zentrum in Stuttgart-Vaihingen arbeitet ein internationales Team daran, Technik, Design und Anforderungen europäischer Märkte in Einklang zu bringen. Manuel Seethaler und Markus Schmitz geben Einblicke in ihre tägliche Entwicklungsarbeit und ein ganz besonderes Projekt.
Midea – vielen bekannt als chinesischer Großkonzern – betreibt seit fast sechs Jahren ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum in Stuttgart-Vaihingen. Was viele nicht wissen: Für den europäischen Markt werden dort eigenständig Produkte entwickelt. Ziel ist es, genau die Bedürfnisse der hiesigen Kunden zu verstehen und darauf abgestimmte Lösungen zu schaffen.
„Wir hören genau hin, was Installateure und Endkunden sagen – ob es um zu laute Geräte, umständliche Bedienung oder fehlende Lösungen für bestimmte Wohnsituationen geht“, erklärt Manuel Seethaler aus dem R&D-Team. Die Impulse kommen dabei nicht nur aus dem Markt, sondern auch durch gesetzliche Anforderungen, etwa im Bereich Energieeffizienz. Midea betreibt dafür selbst Forschung, führt Umfragen durch und analysiert konkrete Alltagssituationen.
Vom Problem zur Innovation
Die Bandbreite der Herausforderungen ist vielfältig: Mal geht es um konkrete Themen wie schwer zugängliche Bauteile, mal um abstraktere Wünsche wie sanftere Luftströme. Manchmal sehen die Entwickler auch Chancen in Nischen, für die es kaum bestehende Produkte gibt – etwa, wenn Außengeräte aufgrund baulicher Gegebenheiten nicht montiert werden können.
„Gerade in Europa ist alles ein bisschen anders als in Asien“, so Seethaler. „In Deutschland gibt es schärfere Lärmschutzregelungen, viele Menschen wohnen zur Miete – das verändert die Anforderungen erheblich.“ Deshalb sei auch das Team in Stuttgart international besetzt: „Nur so verstehen wir, was in Spanien, Frankreich oder Italien jeweils gebraucht wird.“
In Europa ist nicht alles wie in Asien – das muss man verstehen, um passende Produkte zu entwickeln.
Zusammenarbeit über Grenzen hinweg
Neben dem Zentrum in Stuttgart betreibt Midea ein Design Center in Mailand, das sich um die gestalterische Anpassung der Geräte an den europäischen Geschmack kümmert. „Hier ist das Gerät oft Teil des Wohnbereichs – da spielt das Design eine viel größere Rolle als in Asien“, betont Seethaler. Zudem arbeitet das Team eng mit der Universität Stuttgart sowie mit Partnern in China zusammen. Einige Tests, die vor Ort nicht möglich sind, werden in den dortigen Labors durchgeführt.
Der Weg zum fertigen Produkt
Der Entwicklungsprozess folgt klaren Schritten: Aus der ersten Idee wird ein Konzept, das technische und wirtschaftliche Machbarkeit auslotet. „Natürlich träumen wir am Anfang groß – leise, leistungsstark, kompakt. Aber irgendwann kommt die Realität der Technik und der Kosten“, erklärt Seethaler. Prototypen werden gebaut, getestet und weiterentwickelt. Feedback von Kunden fließt dabei frühzeitig ein. Erst nach mehreren Prototypdurchläufen und umfangreichen Feldtests geht ein Produkt in die Serienfertigung – inklusive aller nötigen Zertifizierungen und Compliance-Prüfungen.
Die H-PACK – eine Lösung für urbane Räume
Ein aktuelles Beispiel für diese Herangehensweise ist die Entwicklung der H-PACK, einer innenaufgestellten Luft-Wasser-Wärmepumpe. Markus Schmitz, ebenfalls Teil des Stuttgarter Entwicklungsteams, erläutert: „Gerade in dicht bebauten Gebieten wie den Niederlanden oder in Mehrfamilienhäusern gibt es oft keinen Platz für klassische Außengeräte. Die H-PACK soll genau dafür eine Lösung bieten.“
Am Anfang träumen wir groß – leise, effizient, kompakt. Dann kommt die Realität.
Das Projekt startete vor rund zwei Jahren. Seitdem wurde intensiv entwickelt, präsentiert, getestet – in Stuttgart und regelmäßig auch in China. „Die Kollegen dort sind sehr offen für Anpassungen. Wenn wir sagen, so geht das nicht, wird nachgebessert und ein neuer Prototyp geschickt“, berichtet Schmitz. Die Steuerungstechnik stammt komplett aus Stuttgart – so bleibt der Einfluss auf die Funktionalität vor Ort.
Kompaktheit trifft Design
Die H-PACK besteht aus einer Inneneinheit mit zwei Luftkanälen nach außen und einer kompakten Hydrobox. Letztere verbindet das System mit einem Gasboiler oder ermöglicht einen rein elektrischen Betrieb. „Natürlich testen wir gerade verschiedene Varianten – etwa bei der hydraulischen Weiche, dem sogenannten Low-Loss-Header“, so Schmitz. Auch das Design spielt eine zentrale Rolle: „Unsere Kollegen in Mailand sorgen dafür, dass das Gerät nicht nur funktioniert, sondern auch gut aussieht.“
Ein langer, aber lohnenswerter Weg
Von der Idee bis zur Marktreife vergehen in der Regel zwei bis drei Jahre. Für das Team ist es wichtig, dass die Grundidee nicht verloren geht – auch wenn sich das Produkt im Laufe der Entwicklung verändert. „Man darf sich nicht im Detail verlieren“, sagt Seethaler. „Am Ende geht es darum, ein echtes Problem zu lösen – das treibt uns an.“
Die H-PACK steht nun kurz vor der Serienreife. Ein Beispiel dafür, wie internationale Zusammenarbeit, technisches Know-how und ein tiefes Verständnis für den europäischen Markt zu einer echten Innovation führen können.
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