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Mehr als ein Familientreffen: Der Wert einer Fachmesse aus Technikersicht

Chillventa im Dialog

Bertold: Schön, dass du da bist, Jesse. Warst du schon einmal auf der Chillventa?

Jesse: Ja, ich war bisher einmal dort. Die Messe war sehr aufschlussreich, besonders die neuen Produkte und Innovationen haben mir gut gefallen. Man muss offen sein und trifft alte Kollegen wieder, sei es von früheren Arbeitsstellen oder aus der Berufsschulzeit. Das ist mir hauptsächlich in Erinnerung geblieben.

Bertold: Also eine Mischung aus dem Sammeln von Neuigkeiten und einer Art Familientreffen?

Jesse: Ja, mehr oder weniger. Der Kältebereich ist sehr groß und die Berufsschule in Lindau verbindet uns. Man hat drei Jahre intensiv mit seinen Klassenkameraden verbracht, oft auch im Wohnheim. Daher ist es wirklich schön, auf der Messe jemanden wiederzusehen, den man vielleicht seit fünf Jahren nicht mehr getroffen hat. Das war sehr entspannt.

Bertold: Wie kommst du als Kältemechatroniker ansonsten an Neuigkeiten, wenn du nicht auf eine Messe gehst?

Jesse: Es gibt immer wieder kleinere Messen von Großhändlern, die ebenfalls neue Produkte vorstellen. Man kann auch gezielt nach Ersatzteilen suchen und stößt so auf neue Entwicklungen. Es gibt ja nicht nur einen Großhändler.

Die Chillventa ist eine Mischung aus Familientreffen und Innovations-Update.

Bertold: Gerade bei Themen wie dem Umstieg auf natürliche Kältemittel im Zuge der F-Gase-Verordnung braucht man ja aktuelle Informationen. Wie kommst du daran, wenn du nicht gerade ein Forum auf der Messe besuchst?

Jesse: Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Informationen kommen natürlich vom Großhändler, aber es gibt auch Schulungen. Diese werden sowohl von spezialisierten Anbietern als auch von Produktherstellern und Verkäufern angeboten.

Bertold: Was lernt man in so einer Schulung konkret?

Jesse: Bei Propan lernt man zum Beispiel den korrekten Umgang. Man erfährt, was beim Austausch von Komponenten wie Verdichter, Verflüssiger oder Verdampfer zu beachten ist, damit man nichts abfackelt oder eine kleine Explosion verursacht. So etwas kann schnell passieren, wenn man nicht aufpasst.

Bertold: Das heißt, wenn du zu einem Notfall an einer Propan-Anlage gerufen wirst, musst du besondere Vorkehrungen treffen?

Jesse: Zuerst schaue ich, was kaputt ist. Wenn nur etwas Kältemittel fehlt, kann man es nachfüllen und die Leckage suchen. Bei den Kühlschränken, mit denen wir oft zu tun haben, sind die Füllmengen mit 40, 50 oder manchmal 100 Gramm sehr gering, was die Lecksuche erschwert. Man füllt also auf oder drückt die Anlage ab. Wenn man aber beispielsweise einen Verdichter tauschen muss, wird es aufwendiger: Dann musst du die Anlage mit Stickstoff spülen, vakuumieren, erneut mit Stickstoff befüllen und wieder vakuumieren. Nur dann kannst du beruhigt löten, ansonsten kann es eben „Puff“ machen.

Wie wird eine Weltleitmesse wie die Chillventa eigentlich organisiert?

Bertold: Hilft dir eine Messe dabei, den Überblick über solche Teile und Komponenten zu behalten?

Jesse: Man muss offen dafür sein. Es gibt definitiv immer wieder neue Produkte, die man einsetzen kann. Um diese zu entdecken, muss man aber zu einer Messe wie der Chillventa gehen. Da sie nur alle zwei Jahre stattfindet, werden dort gebündelt die Neuheiten präsentiert, die sich in dieser Zeit angesammelt haben. So bekommt man einen umfassenden Überblick. Man findet immer etwas Neues – ob es am Ende sinnvoll ist oder nicht, sei dahingestellt. Aber es ist immer spannend.

Bertold: Welchen Tipp würdest du einem Kältemechatroniker geben, der sich auf einen Messebesuch vorbereitet?

Jesse: Man sollte auf jeden Fall Zeit mitbringen. Außerdem würde ich empfehlen, vorab auf der Webseite der Chillventa nachzuschauen, welche Aussteller vor Ort sind und welche Themen einen interessieren. Vielleicht gibt es dort schon erste Ankündigungen zu Neuheiten. Ansonsten gilt: in Ruhe umschauen.

Bertold: Wo wir hier zusammensitzen: Gibt es etwas, das dich rund um die Chillventa interessiert? Du hast die Chance, uns als Veranstalter direkt zu fragen.

Jesse: Was mich interessiert: Wie wird die Chillventa eigentlich organisiert? Wie lange dauert die Vorbereitung und was muss alles getan werden, um eine solche Messe auf die Beine zu stellen?

Bertold: Wie viel Zeit hast du? (lacht) Kurz gefasst: Wir beginnen mit der Planung der nächsten Messe bereits während der laufenden Veranstaltung. Aussteller können dann schon ihre Standfläche für das nächste Mal vorreservieren. Parallel dazu sprechen wir mit den Leuten vor Ort, sammeln neue Themen und werten die Befragungen von Ausstellern und Besuchern aus. Dieser Prozess zieht sich über fast zwei Jahre, bis wir ein klares Bild davon haben, welcher Aussteller wo platziert wird. Danach startet das Marketing, um möglichst viele Besucher anzuziehen, damit unsere Aussteller zufrieden sind, und umgekehrt. So stellen wir sicher, dass du als Mechatroniker die gesamte Bandbreite der Kälte-, Klima-, Lüftungs- und Wärmepumpentechnik hier sehen kannst.

Auf der Chillventa wird auch über kritische Themen gesprochen.

Jesse: Die Messe findet ja in Deutschland statt, aber die Aussteller kommen aus der ganzen Welt. Wie läuft das ab?

Bertold: Da kommt unser Vertrieb ins Spiel, der intensiv daran arbeitet, Aussteller aus aller Welt für die Chillventa zu begeistern. Wir sind in der luxuriösen Situation, eine etablierte Messe mit einem sehr guten Ruf zu sein. Wir sind in der Branche nicht nur in Deutschland, sondern auch international sehr bekannt. Etwa 60 % unserer Aussteller kommen aus dem Ausland. Viele kennen die Chillventa also und melden sich von selbst an. Die, die wir noch nicht erreicht haben, versucht unser Vertriebsteam mit Argumenten zu überzeugen, dass die Chillventa einfach the place to be ist.

Jesse: Das ist beeindruckend. Wie viele Messen veranstaltet ihr denn neben der Chillventa noch?

Bertold: Hier am Messeplatz Nürnberg organisieren wir rund 40 eigene VeranstaltungenMessen und Kongresse, darunter Messen wie die FENSTERBAU FRONTALE oder die GaLaBau, aber auch Kongresse und kleinere Events. Weltweit sind es deutlich mehr. Wir sind mit Tochterunternehmen in Indien, Italien, Österreich, den USA, China und Brasilien vertreten. Es findet also eigentlich jeden Tag irgendwo auf der Welt eine unserer Veranstaltungen statt.

Jesse: Wahnsinn. Und wie bist du persönlich zu diesem Job gekommen?

Bertold: Eigentlich durch einen Zufall. Davor war ich Redakteur bei einer Lokalzeitung. Ich schlug die Nürnberger Nachrichten auf und sah eine Stellenanzeige für einen technischen Redakteur für IT-Themen. Das klang interessant, also habe ich mich beworben. Das war vor über 20 Jahren, und ich bin immer noch hier und organisiere mit Begeisterung Messen.

Bertold: Vielen Dank für deine Zeit und die spannenden Einblicke, Jesse.

Jesse: Sehr gerne, hat mich gefreut.

Wir hatten die gesamte Halle 7a für uns.

Bild: KältenKlub

Wir hatten die gesamte Halle 7a für uns.
Bertold berichtet über die Organisation einer Chillventa.

Bild: KältenKlub

Bertold berichtet über die Organisation einer Chillventa.

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