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Explosiv, giftig und brennbar: Warum Methylchlorid so komplex ist

Gefährliches Erbe R40

KälteKlub: Herr Heizmann, Sie stehen mit Ihrer Firma Lupfer & Weiß vor einer besonderen Herausforderung. Was genau ist das Problem bei dieser Anlage?

Sebastian Heizmann: Nun, die Anlage, die wir hier in Dundenheim demontieren sollen, ist seit etwa 50 Jahren stillgelegt. Das Gebäude war früher eine Metzgerei, und die Kälteanlage darin stammt vermutlich aus den 1920er oder 1930er Jahren. Als der Betrieb 1970 aufgegeben wurde, hat man die Anlage einfach abgeschaltet und stehen lassen. Das Besondere daran ist das Kältemittel: Methylchlorid.

KälteKlub: Methylchlorid – das klingt wie ein Exot unter den Kältemitteln. Warum ist das so problematisch?

Sebastian Heizmann: Genau, Methylchlorid ist heute kaum noch bekannt. Es wurde damals wegen seines niedrigen GWP-Wertes und seiner guten Kälteeigenschaften eingesetzt, aber es vereint leider die negativen Eigenschaften von Ammoniak und Propan: Es ist hochbrennbar, giftig und schädigt sogar das Erbgut. Diese Risiken führten dazu, dass es durch FCKW verdrängt wurde, obwohl es nicht verboten war. Das Problem ist, dass es in der Anlage noch vorhanden ist und wir es sicher entfernen müssen.

KälteKlub: Was war Ihr erster Schritt bei der Demontage?

Sebastian Heizmann: Der erste Schritt war natürlich die Recherche. Als Fachbetrieb schaut man sich zunächst das Typenschild der Anlage an, um herauszufinden, welches Kältemittel verwendet wurde. Als ich Methylchlorid sah, war klar, dass es keine einfache Demontage werden würde. Ich habe mich dann direkt an unsere Großhändler gewandt, um Entsorgungsflaschen zu bekommen – Frigo-Technik, Fischer, Westfalen, die üblichen Namen. Aber es gibt keine passenden Flaschen im Großhandel.

KälteKlub: Das heißt, Sie mussten weiter recherchieren?

Sebastian Heizmann: Ja, genau. Ich habe Kontakt zu Verbänden und den Innungen aufgenommen, aber auch dort gab es keine wirkliche Unterstützung. Ich habe dann europäische Hersteller und Vertreiber angeschrieben, etwa Linde-Gas und Nobian in Holland, die den Stoff für andere chemische Prozesse liefern. Insgesamt habe ich etwa 50 Kontakte angeschrieben, aber keiner konnte wirklich helfen.

Die Geräte sind weder für das Kältemittel zugelassen noch für den Explosionsschutz geeignet.

KälteKlub: Warum ist die Entsorgung so schwierig?

Sebastian Heizmann: Das Hauptproblem liegt in der Materialverträglichkeit. Methylchlorid reagiert mit bestimmten Legierungen und Materialien wie Aluminium. Selbst mit Edelstahlbehältern wäre es schwierig, da es sich um Gefahrgut handelt und auch der Transport geregelt sein muss. Außerdem sind die Dichtungsmaterialien bei Standardgeräten und Flaschen nicht für dieses Kältemittel ausgelegt.

KälteKlub: Gibt es weitere technische Herausforderungen?

Sebastian Heizmann: Definitiv. Man kann nicht einfach ein Standard-Absauggerät anschließen und das Kältemittel absaugen. Die Geräte sind weder für das Kältemittel zugelassen noch für den Explosionsschutz geeignet. Auch Manometer und Belüftungssysteme sind nicht ohne weiteres einsetzbar – es braucht spezielle Werkzeuge und Flaschen, die einfach nicht verfügbar sind.

KälteKlub: Was wäre Ihr Appell an die Branche?

Sebastian Heizmann: Ich denke, das ist eine Herausforderung, die wir nur als Community lösen können. Wenn jemand Erfahrung mit Methylchlorid hat oder eine Idee, wie man solche Anlagen sicher demontieren kann, wäre ich für jeden Hinweis dankbar. Es ist wichtig, dass wir hier zusammenarbeiten, um solche alten Anlagen sicher und fachgerecht zu entsorgen.

KälteKlub: Vielen Dank, Herr Heizmann, für die spannenden Einblicke und Ihre Offenheit. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei diesem Projekt und hoffen auf eine baldige Lösung

Sebastian Heizmann: Vielen Dank!

DR

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