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Entfeuchtung eines Trockners durch Evakuieren

Frage: Unsere Kälte-Klima-Fachfirma betreut eine Kundenanlage, die in der Vergangenheit mehrfach aufgrund von Feuchtigkeit im Kältemittelkreislauf ausgefallen war. Die Ursache für den Wassereintritt wurde mittlerweile erkannt und von uns behoben. Für uns stellt sich die Frage, ob ein feuchter Trockner durch Evakuieren getrocknet und wieder regeneriert werden kann? Haben Sie in diesem Bereich Erfahrungen?

Antwort: Ihre Frage wurde uns in der Ausbildung schon häufiger durch Schüler gestellt. Um eine belastbare Aussage treffen zu können, haben wir einen Versuch dazu durchgeführt.

Für die Versuchsdurchführung wurde zuerst ein fabrikneuer Trocknereinsatz (Blockeinsatz Alco H 48 für ADKS +) bei Raumtemperatur gezielt befeuchtet. Dazu wurde der Trockner in eine Glashaube eingebracht, in der sich auch eine Schale mit Wasser befand. (siehe Abbildung 1) Der Trockner hatte dabei keinen direkten Kontakt zum Wasser. Die Befeuchtung erfolgte statisch, ohne Luftbewegung in der Glashaube über einen Zeitraum von 9 Tagen (216 h). Dabei lag die relative Luftfeuchte in der Glashaube bei ca. 65…70 Prozent Zur Messung der Wasseraufnahme wurde der Trockner in regelmäßigen Abständen gewogen. Das Gewicht des Trockners lag im Lieferzustand bei 723 g, am Ende des Versuchs hatte der Trockner eine Masse von 830 g. Es wurden also 107 g Wasser aufgenommen. Die Messergebnisse sind in Diagramm 1 dargestellt.

Anschließend sollte dem Trockner das aufgenommene Wasser durch Evakuieren entzogen werden. Das geschah ebenfalls unter der vakuumfesten Glashaube. Zur Versuchsdurchführung wurde eine Vakuumpumpe mit einem Volumenstrom von 10 m³/h und einem Enddruck 0,05 mbar genutzt. Zur besseren Wasserdampfverträglichkeit war das Gasballastventil der Vakuumpumpe permanent geöffnet. Als Verbindungsleitung zwischen Glashaube und Vakuumpumpe kam eine Schlauchleitung mit einem Durchmesser von 8 mm zum Einsatz (siehe Abbildung 2).

Über einen Zeitraum von 6 Tagen (144 h) erfolgte die Entfeuchtung (Trocknung) durch kontinuierliches Evakuieren. Dabei wurde der Trockner in regelmäßigen Abständen gewogen. Zum Wiegen wurde die Glashaube belüftet und der Trockner kurz entfernt. Unmittelbar danach wurde weiter evakuiert. Das Gewicht des Trockners sank in den 6 Tagen von 830 g auf 737 g. Es wurde also eine Gewichtsabnahme von insgesamt 93 g festgestellt. Die Messergebnisse sind in Diagramm 2 dargestellt.

Mit dem Versuch wurde gezeigt, dass und wie schnell ein Trockner in feuchter Atmosphäre Wasser aufnehmen kann und wie lange es dauert, den Trockner unter Vakuum wieder zu trocknen. Aus den Diagrammen geht weiterhin hervor, dass jeweils in den ersten 24 h der Versuchsdurchführung die größte Wassermenge vom Trockner aufgenommen (Befeuchtung) und auch wieder abgegeben wird (Entfeuchtung). Weiterhin wurde gezeigt, dass unter den Versuchsbedingungen eine Restmenge Wasser im Trockner verbleibt.

Fazit: Im Ergebnis ist festzustellen, dass mit Feuchtigkeit beladene Trockner prinzipiell durch Evakuieren getrocknet werden können. Der Prozess ist jedoch sehr langwierig und selbst nach 6 Tagen kontinuierlichen Evakuierens konnte das Ausgangsgewicht nicht erreicht werden. Es verblieben etwa 14 g Wasser im Trockner, obwohl das Evakuieren unter optimalen Bedingungen mit einer relativ großen Vakuumpumpe (10 m³/h) mit ausreichend gutem Endvakuum (0,05 mbar), offenem Gasballast und ausreichend großer Verbindungsleitungen (D > 8 mm) durchgeführt wurde.

Sicherlich würde eine höhere Umgebungstemperatur und das Vakuumbrechen mit trockenen Gasen den Trocknungsvorgang beschleunigen. Insbesondere die Erwärmung von Anlagen ist jedoch unter normalen Reparaturbedingungen bei festmontierten Anlagen kaum möglich. Damit ist die Trocknung durch Evakuieren zwar möglich aber nicht sinnvoll. Trockner, insbesondere mit Feuchtigkeit beladene, sind daher bei jedem Eingriff in den Kältekreislauf zu wechseln.

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