Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch
Maßarbeit aus der Kühlmöbel-Manufaktur

Vom Blech zur Sterneküche

KältenKlub: Ihr stellt nicht nur große Anlagen her, sondern auch Kühlmöbel – und das nicht zu wenig. Kannst du uns erzählen, was genau ihr da anfertigt und für wen?

Martin Haug: Wir bauen Kühltheken, Kühlmöbel, Küchen und Gastronomiemöbel im Gesamtkontext für die Hotellerie, für Bars, Restaurants, die Systemgastronomie oder auch für die Sterneküche.

KältenKlub: Das klingt nicht nach Stangenware, sondern danach, dass ihr alles individuell auf eine Küche anpasst und auf Maß herstellt.

Martin Haug: Ganz genau, das ist unsere Stärke und das, was wir besonders gut können. Wir können nicht die große Menge in 08/15-Stückzahlen. Wir kommen immer dann ins Spiel, wenn es spannend wird: wenn der Kunde besondere Maße, spezielle Winkel oder außergewöhnliche Formen braucht, oder eine andere Oberfläche wünscht. Wir können quasi alles realisieren, was der Kunde benötigt. Wenn es ein Kreis sein soll, wird es ein Kreis, und wenn es ein Achteck sein soll, wird es ein Achteck.

KältenKlub: Hattet ihr auch schon mal besondere Herausforderungen, zum Beispiel in Altbauten wie Schlösser oder Burgen, wo die Wände nicht gerade und die Böden nicht eben sind?

Martin Haug: Genau, da wird es dann richtig gut. Solche Gegebenheiten kann man oft kaum präzise ausmessen, weil die Wände teilweise extrem schief sind. Als Beispiel: Wir haben kürzlich für ein Hotel in der Nähe von Mönchengladbach, die „Alte Mühle“, zwei Restaurants komplett ausgestattet – von der Küche über den Thekenbereich bis zum Frühstücksbuffet für die Sterneküche. Dort ist es ein Altbau, ein altes Mühlenhaus, da passt keine Wand zur anderen. Und genau da wird es für uns interessant. Wir können im Vorfeld alles so konstruieren, dass es auf der Baustelle möglichst wenige Anpassungen gibt. Denn in einem Altbau hat man nun mal krumme Wände.

An Ausschreibungen nehmen wir relativ wenig teil; wir arbeiten meist im Direktkontakt

KältenKlub: Im Mittelalter gab es eben noch keine Wasserwaage. Wie kann ich mir den Prozess von der Anfrage bis zum fertigen Möbel vorstellen? Läuft das über eine Ausschreibung?

Martin Haug: Machen wir mal einen kleinen Durchlauf. An Ausschreibungen nehmen wir relativ wenig teil; wir arbeiten meist im Direktkontakt. Der Kunde oder Betreiber ruft uns an und sagt: „Ich plane ein neues Restaurant, eine neue Bar, könnt ihr mal vorbeikommen?“ Dann kommt ein Vertriebler, meistens schon begleitet von einem Projektleiter oder Produktdesigner, mit auf die Baustelle, um sich die Gegebenheiten anzusehen. Wir leisten dabei auch viel Beratungsarbeit im gastronomischen Bereich: Was macht wo Sinn? Wie sollte es platziert werden? Es gibt viele, ich nenne sie mal „Hobby-Gastronomen“, die sich selbstständig machen oder einfach wachsen wollen. Wir skalieren das dann mit ihnen gemeinsam, basierend auf unserer Erfahrung. Diesen Input nehmen wir zusammen mit einem ersten Aufmaß von der Baustelle mit, und dann geht es ins Produktdesign.

KältenKlub: Ihr beratet die Kunden also direkt vor Ort. Nehmen die das gut an, oder gibt es auch beratungsresistente Fälle?

Martin Haug: Tatsächlich sehr wenige. Natürlich gibt es eine Grundvorstellung, gerade was die Optik angeht. Davon weichen die Kunden nicht so gerne ab. Gleichzeitig holen wir sie aber gut ab, wenn sie sehen, welche Möglichkeiten sich plötzlich ergeben. Dann geht es ins Produktdesign. Unsere Zeichner fangen an, das Ganze zu planen, zu projektieren und zu zeichnen – erst in 2D, dann als dreidimensionales Modell, damit der Kunde eine Vorstellung bekommt. Je nach Komplexität erstellen wir auch ein Rendering, sodass man den Raum digital sehen kann, in dem die Möbel bereits komplett eingebaut sind, noch bevor ein einziges Teil gefertigt wurde. Das wird dann dem Kunden präsentiert und besprochen, und in der Regel gehen dann die Änderungswünsche los.

KältenKlub: Sind das dann Änderungen, die dem Kunden erst im Nachhinein einfallen?

Martin Haug: Ja, ganz klar. Es gibt natürlich Dinge, bei denen der Kunde sagt: „Das will ich so gar nicht, das habe ich mir anders vorgestellt.“ Das ist der einfache Teil. Aber es geht bis kurz vor der Auslieferung, dass jemandem noch etwas einfällt, woran er vorher nicht gedacht hat.

Da wir alles auf Maß herstellen können, lassen sich auch Geräte vom Kunden integrieren

KältenKlub: Aber dann ist das Möbelstück doch schon komplett durchgeplant und die Fertigung weiß Bescheid. Da ist eine Änderung sicher schwierig, oder?

Martin Haug: Dann muss es kurzfristig passieren, und das ist im Grunde das Gute, weil wir alles komplett selbst im Haus machen. Wir haben fast keine Vorlieferanten, außer für Stein oder komplexe Oberflächen. Alles, was Blech oder Holz ist, fertigen wir komplett selbst. Das heißt, wenn fünf Minuten vor der Auslieferung der Kunde anruft und sagt: „Ich brauche hier noch eine andere Schublade“, dann bekommt er die eben.

KältenKlub: Das ist ein gutes Stichwort. Ich würde sagen, das schauen wir uns jetzt an. Wir gehen mal durch die Hallen und sehen uns an, wie so ein Möbel von A bis Z gefertigt wird.

Martin Haug: Wir gehen mal in unserer Kühlmöbel- und Kühltheken-Manufaktur. Ich zeige euch einfach mal, wie so eine Theke entsteht. Wir starten im Grunde mit einem ganz normalen, blanken Edelstahlblech aus unserem Blechlager, immer mit Folie versehen als Kratzschutz. Von dort geht es auf unsere Stanze. Dort werden die Bleche ausgeschnitten und die Formen gestanzt. Daraus entsteht dann ein Teil für das Kühlmöbel. Nach der Stanze laufen wir weiter zur Kantbank. Es müssen ja nicht nur Löcher geschnitten, sondern auch Formen gebogen werden. Das hier war auch mal ein ganz normales Blech. Wir kanten es dann so, dass es in diesem Fall einen L-Winkel ergibt oder auch eine Schublade, wie sie hier steht. Alles, was an diesem Blech verändert wurde – die Lochstanzung, die Kantungen, die Aufsteller für die Trennwände – ist von uns gemacht. Wir bauen die Schublade vollständig selbst. Da wir alles auf Maß herstellen können, lassen sich auch Geräte vom Kunden integrieren. Wenn der Kunde zum Beispiel einen bestimmten Kühlschrank integriert haben will, bauen wir das Möbelstück eben um den Kühlschrank herum.

Wenn wir steckerfertige Kühlmöbel bauen, verwenden wir natürlich Propan als Kältemittel in Kleinstfüllmengen

KältenKlub: Das heißt, ihr bekommt diesen Kühlschrank als Maßvorgabe und baut dann einfach drumherum?

Martin Haug: So ist es. Und wir können jedes Kantmaterial fertigen, wir bauen die Füße selbst, einfach alles. Wir bauen auch die Schankbalken komplett auf die Theke, in die dann die Zapfhähne kommen. Um diese zu verschweißen, haben wir unter anderem ein Handlasergerät angeschafft. Damit kann man ganz einfach sehr dünne, saubere Schweißnähte ziehen und muss nicht erst eine dicke Schweißraupe aufwendig abschleifen. Wenn ich sage, wir machen alles selbst, dann meine ich das auch. In unserer Schäumerei machen wir auch die Isolierung selbst. Am Ende ist es egal, ob der Kunde eine schmale oder eine breite Schublade haben will.

KältenKlub: Das ist egal, weil es ohnehin auf Maß gefertigt wird.

Martin Haug: Ganz genau. Die Vielzahl aller Einzelteile, die wir schneiden, stanzen und fräsen, landet dann irgendwann in einem zusammengebauten Möbel. In diesem Fall ist es ein Verdampfer, der direkt in die Kühlwanne eingeschäumt ist. Auch den biegen wir komplett selbst. Wenn wir steckerfertige Kühlmöbel bauen, verwenden wir natürlich Propan als Kältemittel in Kleinstfüllmengen. Wir machen auch Testaufbauten. Das hier wird zum Beispiel ein Sushi-Schrank (Bild 2). Der muss überall exakt die gleiche Temperatur haben. Mit diesen Streifenvorhängen und Einschubfächern prüfen wir, wie wir die Luftführung vom Verdampfer verändern müssen, um überall die gleiche Luftmenge und Temperatur zu erreichen, denn der Fisch trocknet sonst extrem schnell aus. So einen Schrank könnte man grundsätzlich auch kaufen, aber der Kunde möchte die Nische vollständig ausgenutzt haben – und da kommen wieder wir ins Spiel: auf Maß.

KältenKlub: Und ihr habt auch eine eigene Schreinerei.

Martin Haug: Richtig. Hier können wir, genau wie im Blechbau, jede Form, Farbe und Größe umsetzen (Bild 1). Wir bauen Barverkleidungen, Thekenverkleidungen oder Ergänzungsschränke. Was wir auch als Service anbieten: Wenn ein Kunde umzieht, nehmen wir seine Möbel zurück, lagern sie hier ein, warten, bis er sein neues Objekt bezogen hat, bereiten die Möbel auf und bauen sie dort wieder ein.

KältenKlub: Vielen Dank für das Gespräch und die Tour.

Bild 1: Auch die Holzar­beiten sind Teil der Herstellung. Dafür gibt es ein eigene Schreinerei.

Bild: KältenKlub

Bild 1: Auch die Holzar­beiten sind Teil der Herstellung. Dafür gibt es ein eigene Schreinerei.
Die Granitplatte wird ebenfalls auf Millimetermaß geschnitten

Bild: KältenKlub

Die Granitplatte wird ebenfalls auf Millimetermaß geschnitten
Bild 2: Ein Sushikühlschrank hat spezielle Anforderungen an die Luftverteilung. Dafür hat AKÜ extra einen Versuchsaufbau hergestellt.

Bild: KältenKlub

Bild 2: Ein Sushikühlschrank hat spezielle Anforderungen an die Luftverteilung. Dafür hat AKÜ extra einen Versuchsaufbau hergestellt.

Jetzt weiterlesen und profitieren.

+ KK E-Paper-Ausgabe – jeden Monat neu
+ Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv
+ Fokus KK: Sonderhefte (PDF)
+ Webinare und Veranstaltungen mit Rabatten
uvm.

Premium Mitgliedschaft

2 Monate kostenlos testen