Frage: Gibt es für amerikanische Staatsbürger im Fall von Tätigkeiten mit Kältemitteln innerhalb der Europäischen Union die Möglichkeit, die EPA-Zertifizierung als Ersatz für eine europäische Zertifizierung gemäß DVO 2024/2215 anzuerkennen. Konkret geht es darum, dass in den USA produzierte Anlagen und Einzelkomponenten in Europa errichtet und in Betrieb genommen werden sollen. In diesem Rahmen müssen Anlagen mit fluorierten Treibhausgasen installiert und befüllt werden. Ebenso müssen Rückgewinnungen und Dichtheitskontrollen vorgenommen werden. Diese Tätigkeiten sollten durch Personal des Herstellers durchgeführt werden. Die Servicetechniker aus den USA besitzen keine Zertifizierung nach europäischem Recht, aber eine ganz ähnlich gestaltete EPA-Zertifizierung für den Umgang mit Kältemitteln. Kann dieses Zertifikat in Europa anerkannt werden?
Antwort: Auch wenn hier in Europa oft der Eindruck vorherrscht, dass der Umweltschutzgedanke und die Notwendigkeit des Klimaschutzes noch nicht in die USA vorgedrungen sind, man hat dort für Personen, die mit Kältemittel umgehen, ein ähnliches Zertifizierungsprogramm wie in der EU aufgebaut. Ursprünglich wurde dieses in den 1990er Jahren für ozonschädigende Stoffe (wie FCKW / CFCs und HFCKW / HCFCs) eingeführt, es greift inzwischen aber längst auch für teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFKW / HFCs), die als Treibhausgase wirken.
Die EPA-Zertifizierung für Kältemittel (offiziell bekannt als EPA Section 608 Technician Certification) ist eine staatlich vorgeschriebene Lizenz in den USA. Sie verpflichtet jeden, der beruflich mit Kältemitteln umgeht, eine entsprechende Prüfung abzulegen, um die Freisetzung umweltschädlicher Gase zu minimieren. Herausgegeben wird sie von der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA
Jede Person, die kältetechnische Einrichtungen wartet, repariert, installiert oder Kältemittel absaugt bzw. kauft, muss zwingend über eine persönliche EPA Section 608 Certification verfügen.
Details zu Ablauf und Schwierigkeitsgrad dieser Prüfungen sind uns nicht bekannt. Es handelt sich um eine reine Theorieprüfung mit Multiple Choice-Fragen. Die Zertifizierung unterteilt sich je nach Anlagentyp in vier verschiedene Kategorien:
- Type I (Kleingeräte): Für die Wartung von hermetisch geschlossenen Kleingeräten mit max. 5 lbs (ca. 2,3 kg) Kältemittel, wie z. B. Haushaltskühlschränke oder Fensterklimaanlagen.
- Type II (Hochdrucksysteme): Für größere Geräte, die unter hohem Druck arbeiten und mehr als 5 lbs Kältemittel enthalten, wie z. B. Wohnhausklimaanlagen (Split-Systeme), Supermarktkühlungen oder Dachklimaanlagen.
- Type III (Niederdrucksysteme): Für große Industrie- und Gewerbeanlagen, die unter niedrigem Druck arbeiten (z. B. große Wasserkühlsätze / Chiller).
- Universal: Diese Stufe umfasst alle drei oben genannten Typen und berechtigt zur Arbeit an sämtlichen Anlagentypen.
Einmal bestanden, behält die EPA-608-Zertifizierung ein Leben lang ihre Gültigkeit. Sie läuft nicht ab und muss nicht erneuert werden.
Auch wenn die US-amerikanische Zertifizierung möglicherweise in einigen Punkten mit der europäischen vergleichbar ist, kann sie aus unserer Sicht nicht gleichgestellt werden.
Einer Gleichwertigkeit zu einer Zertifizierung nach DVO (EU) 2024 / 2215 widerspricht, dass bei uns zusätzlich zur Theorieprüfung auch eine ausführliche praktische Prüfung gefordert wird. Auch ist die europäische Gesetzgebung bezüglich fluorierter Treibhausgase wahrscheinlich nicht in der EPA-Zertifizierung enthalten.
Ein Anerkennungsverfahren für außereuropäische Zertifikate ist uns nicht bekannt und wir können uns auch nicht vorstellen, welche Stelle die Gleichwertigkeit zwischen den Zertifikaten feststellen könnte.
Ohne den Besuch eines speziellen Kurses kann ohnehin kein Zertifikat ausgestellt werden, zumal nach aktueller F-Gase-Verordnung auch für Inhaber von Zertifikaten der Kategorie I eine Auffrischungsschulung und Umstellung auf A 1 gefordert wird.
Sofern die Servicetechniker aus den USA gute Kenntnisse in der Kältetechnik mitbringen, könnte ein komprimierter Zertifizierungskurs besucht werden, um nach abgelegter Prüfung in Theorie und Praxis das Zertifikat A 1 zu erlangen.